Niuatoputapu, im Norden Tongas
Einklarieren in´s Königreich Tonga
Mittwoch, 22.07.206
Am nächsten Morgen überlegen wir, wie wir am besten Kontakt aufnehmen können für das Einklarieren. Über UKW-Funk verfügt man auf der Insel nicht. Wir versuchen es per WhattsApp. Dann sehen wir, wie der Katamaran, der uns unterwegs auf dem Weg von Samoa hierher überholt hat, mit dem Dinghi an Land fährt und mit drei offiziellen Ladies zurückkommt. Aha, das ist das Einklarierungsteam. Wir machen schon mal unser Dinghi klar und nach einiger Zeit bringt der Nachbar die drei Ladies mit seinem Dinghi zu uns. Die Chefin ist für Customs und Immigration zuständig, die anderen beiden Damen für Health und Biosecurity. Im Vorfeld hatten wir einiges gelesen über das Prozedere und sind sehr froh, dass es nur eine kurze Begehung unter Deck gibt, sie einen Blick in den Kühlschrank werfen aber keine weiteren Schränke oder Staufächer inspizieren wollen. Unsere angebotenen Kekse und Saft werden gerne angenommen, aber die Chefin fragt, ob sie ein paar Chips statt Keksen haben könnte. Da sagen wir nicht nein. So verläuft das Einklarieren in freundlicher Atmosphäre und bereits nach kurzer Zeit bringt Dietrich die Damen mit unserem Dinhgi zum nächsten Boot. Im Anschluss dürfen wir die Quarantäneflagge gegen die Gastlandflagge Tongas tauschen. Nun dürfen wir uns auch wieder an Land bewegen.
Landgang in Niuatoputapu
Diesen und den nächsten Tag brauchen wir zum Ausruhen, Aufräumen, Wäsche waschen und für ein paar kleinere Reparaturen. Wir brauchen immer ein bisschen Zeit, bis wir „richtig“ angekommen sind nach einer Überfahrt. Das Wetter ist eher durchwachsen, Lust auf Baden haben wir eher nicht. Dann zieht am Wochenende ein richtiges Schiet-Wettergebiet durch mit mächtigen Schauern und Dauerregen. Wir verkrümeln uns unter Deck, aber auch hier ist es eher ungemütlich, da sich aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit sich ganz schnell alles klamm und feucht anfühlt. Besonders, wenn wir beim Kochen das Bulleye über dem Herd nicht öffnen können, da es sonst in den Topf regnet.
So verschieben wir unseren Landgang von Tag zu Tag, bis am Montag das Wetter ausreichend trocken ist, dass wir mit dem Dinghi an Land fahren mögen. Überall stehen riesige Pfützen, es gibt kaum befestigte Straßen, überall laufen große Schweine-Familien, die sich gerne in den Pfützen suhlen. Es sind wirklich seeehr viele Schweine, in allen Größen und vielen Farben. Einige Gärten und Gelände sind mit Blechen gegen die Schweine gesichert, die Schweinchen scheinen hier schon bald eine Plage zu sein. Auf unserem Weg durch das Dorf treffen wir ein paar Mädchen in Schuluniform, die uns neugierig beäugen und auch gleich ansprechen. Allerdings reicht ihr Englisch nicht sehr weit, egal was wir sie fragen, die Antwort ist immer „yes“. Sie sind sehr freundlich und haben ein fröhliches Lachen. Ein Mann kommt hinzu, der sich als Lehrer vorstellt und uns einlädt, die Grundschule zu besichtigen.
Die Mädchen sind dahin unterwegs, offenbar um einen Tanz für ein Schulfest der Highschool im Nachbardorf zu proben. In dem kleinen Schulgebäude sind zwei Lehrerinnen dabei, mit rund 15 Mädchen im Alter von etwa 5 bis 11 Jahren einen Tanz zu üben. Wir werden herzlich begrüßt und nachdrücklich herein gebeten. Einige der Kinder nehmen uns gleich an die Hand und ziehen uns kichernd in den Raum. Unsere Anwesenheit ist ausdrücklich erwünscht, bringt jedoch die Konzentration der jungen Tänzerinnen ein bisschen durcheinander. Drum herum wuseln noch ein paar kleinere Kinder, die mal mit tanzen oder zwischen allen umher rennen. Die Tänzerinnen machen ihre Sache wirklich sehr gut und bewegen sich sehr geschmeidig im Rhythmus einiger Volkslieder. Wir spenden viel Applaus, ziehen uns dann wieder zurück und setzen unseren Weg durch das Dorf fort.
Leider ist während unserer Zeit vor Niuatoputapu das Wetter ziemlich durchwachsen und der Wind sorgt für so viel Welle in der Lagune, dass jede Dinghifahrt eine ordentliche Dusche beinhalten würde. Auf allen Ankerliegern rundum zeigt sich dasselbe Bild: Dinghis sind aus dem Wasser, alle verharren an Bord.
Wir plieren mit einem Auge immer auf den Wetterbericht, ob sich ein Wetterfenster für die Weiterfahrt nach Vava’u zeigt. Die Vorhersage verdichtet sich, dass die Bedingungen am Freitag, 31.07.2026 ganz gut sein werden. Samstag lässt der Wind dann wieder nach und anschließend wird anhaltender Süd- und Südostwind vorhergesagt. Also fahren wir am Donnerstag mit unseren Papieren an Land und laufen in´s Nachbardorf, um dort bei Customs auszuklarieren. Sicherheitshalber haben wir vorher per WhatsApp einen Termin ausgemacht. Und siehe da, nun, wo wir beschlossen haben, abzureisen, zeigt sich endlich mal wieder die Sonne.
Wir laufen die Hauptstraße zum Nachbardorf entlang, der Autoverkehr hält sich in Grenzen. Insgesamt kommen in rund einer halben Stunde drei Autos vorbei. Aufgrund der vielen Schlaglöcher sind sie nicht wirklich viel schneller als wir. Das letzte Auto hält an, eine freundliche Dame fragt, wo wir hinwollen und ob sie uns mitnehmen soll? Das lohnt sich zwar kaum noch, aber sie ist so freundlich, dass wir nicht widerstehen können. Auf der kurzen Strecke kommen wir gut in´s Gespräch, sie erzählt, dass sie mal eine Zeitlang in London gelebt hat. Wow, was für ein Kultur-Unterschied.

Riesige Bäume vor der High school und dem Customs-Gebäude
Bei Customs hat Ana unser Ausreisepapier bereits vorbereitet, wir bestätigen die Daten und bekommen noch einen Stempel von ihr. Damit ist alles erledigt und wir können uns auf den Rückweg machen. Diesmal haben wir sehr viel Glück, gleich zu Beginn unserer Wanderung kommt uns eine Dame im Auto entgegen und fragt, ob sie uns zurück nach Falehau fahren soll? Wir wollen das erstmal gar nicht annehmen, schließlich kommt sie gerade von dort und wollte in die andere Richtung. Sie lässt sich jedoch nicht davon abbringen und so steigen wir ein und lassen uns zurückfahren. Auch mit ihr unterhalten wir uns prächtig, als sie uns schließlich direkt vor der Grundschule absetzt, fragen wir nach ihrem Namen und sie sagt, ihr Name sei Moana. Wie toll! Moana war ja unser ursprünglicher Wunschname für MACARENA, den wir aufgegeben haben, weil es in der Südsee sehr viele Yachten mit dem Namen gibt. Aber sie ist die erste reale Frau mit diesem Namen, die wir treffen.
In der Grundschule wollen wir uns noch von den Lehrerinnen und tanzenden Mädchen verabschieden, für sie haben wir noch ein paar Geschenke dabei. Dies ist genau die richtige Adresse für unsere Buntstifte, Hefte und Haargummis. Alle freuen sich sehr und wir bekommen als Dankeschön noch eine Tanzvorführung von den Mädels.
Dann geht es zurück an Bord und wir bereiten MACARENA für die Überfahrt vor. Den Nachmittag über beobachten wir einige Aktivitäten auf den anderen Booten, offensichtlich haben noch mehrere heute einen Termin zum ausklarieren…


