Wir schwimmen mit den großen Walen

Wir schwimmen mit den großen Walen

Montag, 17.08.2026

Die Wal-Touren sind sicherlich mit Abstand die größte Touristen-Attraktion Vavau´us. Von Juni bis September jeden Jahres kommen Buckelwale in die Region, um sich zu paaren und um ihre Kälber zur Welt zu bringen. Es gibt eine Menge Anbieter für Wal-Touren und jeden Tag fahren die Boote morgens früh raus und kommen mittags gegen 14.00 Uhr zurück. Für uns klingelt der Wecker heute um 5.30 Uhr, da ist es noch sehr dunkel. Aber wir müssen bereits vor Sonnenaufgang mit dem Dinghi zu Beluga-Diving fahren. Dort bekommen wir noch einen 5 mm Neopren- Shorty und dann geht es los. Da die Wassertemperaturen hier deutlich kühler sind als in Französisch Polynesien, sind wir ganz froh, dass wir auf die dickeren Neopren-Anzüge des Veranstalters zurückgreifen können.

Der Motorkatamaran bietet Platz für bis zu 9 Teilnehmer, dazu kommen ein Guide und der Bootsführer. Die Alu-Boote des Veranstalters sind genau für diesen Zweck ausgelegt und speziell dafür gebaut, jedes Ausstattungs-Detail ist durchdacht. Mit 2 mal 200 PS düsen wir knapp eine Stunde durch die Inselwelt nach Süden, vorbei an einigen uns bereits bekannten Inseln. Es ist faszinierend, rund um uns sind immer wieder Wale zu sehen, mal ein Blas, ein Rücken oder auch ein Sprung. Sprünge, wie den im Beitragsbild haben wir tatsächlich sehen können. Aber wir waren immer zu langsam mit der Kamera. Das Beitragsbild stammt aus einem örtlichen Shop.

Es sind viele Wale in dem Gebiet unterwegs und sie sind ziemlich aktiv. Unser Bootsführer hat von seinem erhöhen Steuerstand aus einen guten Überblick und beobachtet die Wale genau. Es gilt, einen (oder mehrere) Wale zu finden, die ortsfest sind. Ansonsten haben wir Schnorchler keine Chance, die Tiere tatsächlich im Wasser zu beobachten. Zunächst sieht man häufig als erstes den Blas der Wale, den Rücken oder die Schwanzflosse. Ganz selten auch einmal einen Sprung.

Sobald Wale gesichtet werden, fährt das Boot sehr vorsichtig in die Nähe. So werden die Tiere nicht gestört. Der Schutz der Tiere hat oberste Priorität und wird sowohl von den Bootsführeren als auch von den Guides streng beachtet.

Unser Guide springt als erster in´s Wasser und nach einiger Zeit gibt er das Zeichen, dass die ersten vier Schnorchler in´s Wasser kommen dürfen.

In Tonga ist es ganz klar geregelt, Walbeobachtungen sind nur mit den lokalen, zertifizierten Booten erlaubt und es dürfen maximal 4 Teilnehmer gleichzeitig mit dem Guide mit den Walen schwimmen. Oh, das ist schon sehr aufregend! Die ausgewachsenen Wale bleiben jeweils eine knappe halbe Stunde unter Wasser, bevor sie an die Oberfläche kommen und ein paarmal atmen. Dietrich und ich gehen mit der zweiten Gruppe in´s Wasser und schwimmen zu unserem Guide. Das Wasser ist tiefblau und der Wal ist in rund 10 bis 15 m Tiefe nur schemenhaft zu erkennen. Dafür hören wir ihn umso besser. Es ist ein ausgewachsenes, noch junges Männchen, ca. 15 m lang. Und er singt in bestem walisch. Wir lauschen seinen Modulationen. Nun, wo wir relativ nah bei ihm sind, spürt man die Vibrationen seines Gesangs im ganzen Körper, sehr faszinierend. Die ganze Zeit über bleibt er im Wesentlichen bewegungslos in der Tiefe und singt vor sich hin, dann geht es plötzlich ganz schnell. Ohne viel Bewegung nimmt er Fahrt auf und kommt an die Oberfläche. Das Wasser schäumt, er holt Luft und ist so schnell weg, das wir mit unseren Flossen keine Chance haben, hinterher zu kommen. Wir schwimmen zurück zum Boot, mir ist tatsächlich auch ordentlich kalt. Mit dem Boot fahren wir wieder dichter an ihn heran und eine weitere Gruppe schwimmt erneut zu dem Wal. Nach einiger Zeit sehen wir vom Boot aus plötzlich, wie der Wal mit einem gewaltigen Sprung aus dem Wasser schnellt und mit einem riesigen Platsch eine große Wasserfontäne erzeugt. WOW, das war nah!! Alles ging so schnell, dass natürlich Niemand die Kamera parat hatte, aber das Bild des springenden Wals hat sich in allen Köpfen eingebrannt.

Wir suchen weiter nach Walen, es dauert ein bischen, bis wir wieder in´s Wasser können. Unser Guide zeigt in die Tiefe und sagt, es seien zwei Wale. Aha, ich sehe einen hellen Strich im dunklen Blau, aber ich bin mir nicht sicher, ob das ein Wal ist. Oder wenn, wo denn wohl vorne und hinten ist. Einen zweiten Wal kann ich nicht mal ansatzweise erkennen. Es sind einige Trübstoffe im Wasser, nachdem man eine Weile in die Tiefe gestarrt hat, verschwimmt alles vor den Augen und ich muß mich ein paarmal vergewissern, dass ich noch auf die richtige Stelle gucke. Aber die anderen starren auch alle in die gleiche Richtung, dann wird das wohl der Wal sein… Und plötzlich kommt Bewegung in die Sache. Der erste Wal steigt auf, wird immer besser sichtbar und schält sich aus der dunkelblauen Tiefe. Unter ihm ist auch der zweite Wal zu sehen. Ui, die sind beide sehr groß und haben viel mehr Striemen auf der Haut, sind also anscheinend schon älter als der erste Wal, den wir gesehen haben.

Sehr gelassen ziehen sie vor uns an die Oberfläche, atmen und tauchen mehrere Male auf und wieder unter. Ein tolles Schauspiel. Auch diesmal sieht man kaum eine Bewegung der großen Fluke, trotzdem sind die beiden Wale viel zu schnell für uns.

Zurück auf dem Boot können wir noch ein paar Wale von Bord aus beobachten. Mittlerweile kennen wir ja den Rhythmus und halten die Kameras zur Auftauchzeit parat. Aber es gehört natürlich auch immer eine Menge Glück dazu, wir sind sehr happy, dass wir noch einige Walrücken und auch winkende Brustflossen aus der Nähe zu sehen bekommen. Was für tolle, majestätische Tiere!

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