Auf geht’s nach Tonga
Dienstag 21.07.2026
Die Dame von Customs kommt pünktlich um 9.00 Uhr und bringt uns die Ausreisepapiere. Dann bleibt sie am Steg stehen und wartet darauf, dass wir losfahren. Dafür bietet sie an, uns mit den Leinen zu helfen. Anscheinend wurde sie jedoch noch nie in das Belegen einer Klampe, bzw. das Lösen einer Leine eingewiesen…. Als wir schließlich den Liegeplatz verlassen, fotografiert sie uns mehrmals. Offensichtlich muss sie dokumentieren, dass wir das Land auch tatsächlich verlassen. Wir winken ihr fröhlich zu.
Kaum haben wir gedreht und wollen Fahrt aufnehmen, fängt plötzlich der Motor an zu stottern. Oops, was soll das denn? Das hatten wir ja noch nie! Dietrich hat neulich die Kraftstoff-Vorfilter und den zusätzlichen Dieselfilter an der Maschine gewechselt. Vielleicht ist noch Luft in der Leitung? Vielleicht regelt sich das von selbst?? Nein, tut es leider nicht! Mitten im Hafen geht der Motor ganz aus. Das braucht ja kein Mensch! Zum Glück treibt uns der Wind in die richtige Richtung. Wir starten den Motor neu, er springt wieder an, stottert jedoch weiter. Ich übernehme das Ruder, Dietrich schaut nach der Maschine. Wenn er an der manuellen Vorförderpumpe pumpt, läuft der Motor relativ normal. Wir können mit etwas Fahrt voraus die Liegestellen der Frachtschiffe passieren. Jedoch stellt Dietrich fest, dass Diesel am Filter austritt. Das kann so nicht bleiben. Was machen wir jetzt? Segel setzen, auslaufen und draußen den Fehler beheben? Der Wind würde passen. Aber wenn wir erst einmal draußen sind, kommen wir nicht mehr zurück. Also entscheiden wir kurzerhand, am Rande des Ankerfeldes zu ankern. Wenn das die Dame von Customs wüsste…
Der Ankerplatz ist nicht perfekt, aber solange hier keine großen Schiffe manövrieren und drehen müssen, liegen wir erstmal ganz gut. Nach Möglichkeit wollen wir ja auch nicht lange bleiben. Dietrich baut den Dieselfilter ab und kann das Problem schnell orten. Der verwendete Filter hat unten einen separaten Wassersensor, dessen Gummidichtung ist defekt. Uff, das sollte lösbar sein. Aber wie immer: Das Ersatzteil was man benötigt, ist natürlich nicht an Bord! Da wir jedoch die Vorfilteranlage mit den Racorfiltern und Wasserabscheidern haben, brauchen wir nicht zwingend einen Wassersensor am Filter der Maschine. Stattdessen können wir einen ganz normalen Dieselfilter einbauen, den wir gekauft hatten, weil es keine anderen gab. Die Reserve-Dieselfilter haben wir vor zwei Tagen in der Box in der Steuerbord Backskiste – natürlich ganz unten – verstaut. Also, alles wieder ausräumen, um an den neuen Filter zu gelangen. Eingebaut ist der Filter dann relativ schnell. Den ausgelaufenen Diesel in der Motorenbilge nehmen wir mit Ölbinde-Tüchern auf und nach rund einer Stunde können wir den ersten Probelauf mit der Maschine machen. Alles gut. Sicherheitshalber lassen wir die Maschine eine Zeit lang laufen, während wir alles wieder einräumen. Dann lichten wir den Anker, gehen auf „reset“ und starten erneut zu unserer Überfahrt nach Tonga.
Das war reichlich Aufregung – mehr als einem zum Start einer Überfahrt lieb ist! Nun haben wir aber frischen Wind und sind froh, als wir endlich die Genua ausrollen können. MACARENA läuft gut, aber irgendwie ist deutlich mehr Wind und vor allem auch mehr Welle, als vorausgesagt. Die erste Stunde ist ziemlich schaukelig, bis wir den nächsten Wegepunkt erreicht haben und hinter der Nordspitze des Riffs den Kurs nach WSW absetzen können. Allmählich kommen wir hinter den Schutz des ausgedehnten Riffs und die Welle beruhigt sich. Wir nutzen die Gelegenheit, bei relativ ruhigem Wasser den Generator und Wassermacher anzuwerfen. In der Marina Apia wollten wir den Wassermacher nicht nutzen, das Wasser war zu brackig und trübe. Wasser aus dem Schlauch wollten wir auch nicht in den Tank füllen, da wir trotz unserer vorgeschalteten Filter doch immer etwas Chlor im Wasser haben und das unserem Aluminium-Tank überhaupt nicht gut tut. In Apia konnten wir im Wesentlichen das Wasser aus dem Schlauch direkt zum Kochen und Duschen nutzen und waren sehr sparsam mit unserem Wasser aus dem Tank. Und, welch Glück, das Wasser hat genau bis heute Morgen gereicht. Nun ist der Tank leer und wir haben nur ein wenig Brauchwasser als Reserve in Flaschen abgefüllt. Der Wassermacher schnurrt und wir können gut zwei Stunden lang den Tank füllen, bevor wir in der Apolima Strait wieder mehr Welle haben und den Wassermacher wieder abschalten müssen.
Die Apolima Strait zwischen Upolu im Osten und Savai’i im Westen haben wir ja mit der Fähre von Upolu nach Savaii und zurück bereits zweimal gequert. Da war immer ziemlich schlechtes Wetter, wenig Sicht, ordentlich Wind-Düse aus Süd und unangenehme Wellen. Heute ist es dagegen ziemlich perfekt, wir können gut segeln, der östliche Wind dreht mit uns um die Ecke und schiebt uns aus Nord-Ost zwischen den Inseln hindurch. Für die Passage hatten wir uns vorher genau den vorhergesagten Strömungsverlauf angesehen und der Bereich direkt zwischen den kleinen Inseln hindurch hat sich als die beste Strecke herausgestellt. Wir bestaunen die mächtigen Wellen, die aus Süd gegen den Wind anrollen und mit viel weißer Gischt an den Felsen brechen. In der Ferne können wir die hohen Gischtfontänen aus den Blowholes auf Savaii sehen. Das Wetter ist gut, der Wind ablandig und die Welle aus Süd ist zwischen zwei und drei Metern hoch. Wie mag das hier wohl bei schlechtem Wetter aussehen?
So eine Engstelle zwischen zwei Inseln ist immer spannend und wir sind froh, als wir Apolima hinter uns lassen können. Leider entwickelt sich auf der Südseite der Inseln eine ziemlich chaotische Welle und für ein paar Stunden rollt MACARENA unangenehm in dieser unberechenbaren See.
Dann beruhigt sich die Welle wieder, Wind zwischen 15 und 18 Knoten bringt uns gut voran. Die Nacht ist ruhig, man sieht den Lichtschein mehrerer Fischer hinter dem Horizont. Auf der Seekarte ist dort ein „Seamount“ mit nur 600 m Tiefe inmitten von Gebieten zwischen 4.000 – 6.000 m Tiefe. Ganz klar, dort sind die Fische.
Am Mittwoch rechnen wir immer mal wieder, ob wir es vielleicht doch im Hellen noch bis Niuatoputapu schaffen. Die letzte Routenplanung auf der Basis des Wetterberichts hatte eine Fahrtdauer von 1 Tag, 19 Stunden vorhergesagt. Da wir knapp 2 Stunden durch die Probleme mit der Maschine verloren haben, können wir eigentlich nicht damit rechnen, unser Ziel vor Sonnenuntergang um 19.00 Uhr zu erreichen. Doch es ist etwas mehr Wind als vorhergesagt und MACARENA läuft unter Genua zwischen 6 und 7, teils bis zu 8 Knoten Fahrt.
Schließlich kommt die erste Insel der Niua-Gruppe in Sicht. Der sehr klassische Vulkankegel von Tafahi ragt 560 m hoch und gibt ein tolles Bild vor der untergehenden Sonne. Wir nehmen die Gastlandflagge von Samoa runter und setzen die Quarantäneflagge:
Leider ist unser Ankerplatz auf Niuatoputapu noch rund eine Stunde entfernt. Und so wird es während unserer Passage zwischen den beiden Inseln richtig dunkel.
Bereits von weitem können wir ziemlich helle Lichter an der Insel erkennen. Ah ja, andere Segler hatten berichtet, dass heute das Versorgungsschiff in Falehau anlegt. Wir überlegen kurz, ob wir den Frachter anfunken sollen, ob er noch ausläuft. Aber, denken wir, wenn es jetzt schon richtig dunkel ist, dann bleibt das Schiff bestimmt über Nacht noch da. In den letzten Monaten haben wir immer wieder erlebt, dass in dieser Region die Dinge doch gerne etwas länger dauern. Von wegen, als wir etwa 1 Meile vor der Riff-Einfahrt das Segel bergen wollen, sehen wir, dass sich das Versorgungsschiff in Bewegung setzt und ausläuft. Oh, da wollen wir ja nicht im Weg sein.
Die Einfahrt ist im Dunkeln doch nicht so leicht zu identifizieren. Tonnen und Richtfeuer blinken durcheinander, außerdem sind die ersten beiden Markierungen des Fahrwassers nicht beleuchtet. Dicht neben uns brechen die Wellen über der Riffkante und legen einen fahlen, weißen Schimmer auf das ansonsten dunkle Wasser. Wir haben Halbmond, aber so richtig viel erkennen können wir nicht. Zur Kontrolle der Seekarte haben wir noch die aktuelle Satellitenkarte auf dem Tablet. Dietrich steuert konzentriert nach Richtfeuer und Kartenplotter, ich kontrolliere abwechselnd die Tiefenanzeige und die Satellitenkarte. Schemenhaft sehen wir die beiden unbeleuchteten Markierungen der Einfahrt an uns vorbei ziehen, ui, das sind ja große Dinger! Dann gibt es ein paar beleuchtete Tonnen und das Fahrwasser ist ganz gut auszumachen. Noch einmal abknicken, dann haben wir den Ankerplatz voraus in Sicht. Zwei andere Yachten können wir erkennen und suchen einen Ankerplatz in sicherem Abstand für MACARENA.
Oha, das war ganz schön knifflig, unsere erste Riffpassage im Dunkeln. Hat alles super geklappt, aber die Anspannung war doch groß. Umso mehr freuen wir uns über den absolut ruhigen Liegeplatz. Letztendlich hat uns eine Stunde gefehlt, um noch im Hellen anzukommen, wir haben 1 Tag, 9 Stunden gebraucht und waren damit um einiges schneller als unsere Routenplanung vorausgesagt hat.

