Ankommen auf Raiatea
Für die ersten Tag haben wir uns wenig vorgenommen. Nach dem Frühstück fahren wir zur Werft, sagen erstmal im Büro Hallo und dann bei MACARENA. Soweit sieht ja alles gut aus, allerdings ist die Luft im Schiff ziemlich feucht und muffig. Hm, wir reißen erstmal ein paar Luken vorn und achtern auf und sorgen für Durchzug. Der elektrische Entfeuchter hat wohl nicht so ganz richtig funktioniert, alles ist ziemlich feucht und stockig. Naja, da wissen wir ja schon, was zu tun ist. Für heute regeln wir noch ein paar Dinge auf der Werft, verabreden uns mit den Mechanikern und geben unsere Gasflaschen ab zum Füllen. Den restlichen Tag genehmigen wir uns Entspannung.
Zum Sundowner gehen wir zu dem nahegelegenen Hotel zum Essen, schließlich ist ja Geburtstag. Auf dem Weg dorthin schlendern wir noch ein wenig am Strand entlang und sehen sofort auch wieder gute alte Bekannte aus der letzten Saison:

Das Wetter ist aber durchaus wechselhaft:
Am nächsten Tag wird´s dann ernst. Unter Deck muß alles systematisch von vorn nach achtern geputzt und vom Spack befreit werden, eine Aufgabe für sicherlich vier oder fünf Tage. Außerdem haben wir gestern schon gesehen, dass der Batterie-Monitor nichts mehr anzeigt. Dietrich kontrolliert alle Sicherungen und misst die Kabel durch. Es ist jedoch nicht so einfach, den Fehler zu finden. Über die Solarpanels werden die Batterien geladen. Die Mppt-Regler waren aber wohl zwischenzeitlich ausgefallen. Warum, das bleibt bis auf weiteres ein Rätsel. Viele Messungen und Flüche später lokalisiert Dietrich den Fehler in einem gebrochenen Kabel. Wie das passieren kann, wenn das Boot still steht, gehört wohl auch zu den modernen Mysterien.
Wir stehen jeden Morgen gegen 6.00 Uhr auf, eigentlich nicht so unsere Zeit. Aber so können wir ein paar Stunden an Bord etwas tun, bevor es zu heiß wird. Auch so sind die Arbeiten anstrengend. Ganz besonders, wenn wir draußen etwas zu tun haben. Dietrich schleift den Antriebs-Propeller komplett ab und auch die beiden Propeller des Bugstrahlruders müssen abgebaut, geschliffen und gereinigt werden.

Das Antifouling ist frisch gestrichen. Diesmal in Feuerwehrrot. So kann man die dicke der Schicht besser einschätzen und im Laufe der Saison den Abtrag besser beobachten. Spätestens wenn das Blau der vorigen Saison durchkommt, ist das Antifouling aufgebraucht.

Der Tunnel vom Bugstrahlruder steht noch an. Die Propeller sind bereits mit Antifouling versehen. Der Propeller ist mit Prop Speed beschichtet. Da shält dort besser.
Ebenso muß das Dinghi gereinigt werden, die Anoden getauscht und da sind noch so viele Kleinigkeiten, die erledigt werden wollen. Im Salon herrscht ein ziemliches Chaos, da Dietrich tagelang mit der Fehlersuche und der Verlegung des neuen Kabels beschäftigt ist. Dazu hat er das große Fach hinter den Batterien komplett leerräumen müssen. Der Inhalt steht uns nun bei allem im Weg. Ständig räumen wir Kisten zu Seite, um an irgendetwas heranzukommen, was aktuell gerade gebraucht wird. Nur, um kurz danach die Kisten alle wieder an einem neuen Platz zu stapeln…
Alle Termine und Absprachen mit den Mitarbeitern der Werft sind mühselig. Drei Anläufe sind in der Regel mindestens notwendig, bis irgendetwas klappt. Das ist nicht böse gemeint, ist halt so. Nervt trotzdem. Auch vermeintlich simple Besorgungen, wie ein neues Kabel für die Verbindung zwischen dem Batterie-Management-System und der Victron-Kommunikationszentrale werden schnell zum Abenteuer. Irgendjemand sagt, geht doch zu dem Shop X, die haben sogar verzinnte Kabel für den maritimen Bedarf. Toll, wir suchen die Adresse, fahren am Nachmittag nach Utoroa (Inselhauptstadt).
Der Laden ist an der angegebenen Adresse, von der Straße aus sehen wir das Schild. Als wir zu Fuß auf dem Bürgersteig laufen, ist kein Firmenschild, Bezeichnung oder Name zu erkennen. Also, erstmal ein paar Schritte auf die Straße laufen, damit wir das Schild orten können. Der Laden ist relativ groß, die Gänge ziemlich eng, etwas schummerig. Aber es gibt sehr viele Dinge, die sozusagen dem Baumarkt- oder Heimwerkersegment entsprechen.
Hinter dem Tresen steht im Halbdunkeln ein älterer Chinese, der ein paar Brocken englisch versteht. Nach einigem Hin- und her verneint er, dass er hier Kabel hätte, wie wir sie suchen. Aber hinten im Lager gäbe es wohl Kabel. Aha. Er ruft einen jüngeren Mann, der uns durch den Hinterausgang über den Hof zu einem Schuppen führt, alles sehr eng verschlungen und noch schummriger als das vordere Ladengeschäft. Hier liegen große Kabelrollen mit verschiedenen Querschnitten über und nebeneinander. Leider nicht die Größe, die wir brauchen. Aber ein interessantes kleines Abenteuer, außerdem stoßen wir beim Stöbern auf dem Rückweg im vorderen Laden über ganz passable Kopfkissen. Damit hatten wir hier nun gar nicht gerechnet, aber das kommt uns gerade recht. Unsere Kopfkissen an Bord haben die hohe Luftfeuchtigkeit der vergangenen Monate nicht so gut vertragen und müssen ersetzt werden. Schließlich finden wir in einem anderen Shop dann doch noch passende Kabel und können ganz zufrieden nach Hause fahren.

