Verzögerte Abreise aus Raiatea
Montag 06.04.2026
Abends werfen wir routinemäßig mal wieder einen Blick nach oben und suchen nach unserem Ankerlicht… Äh, was ist das? Kein Ankerlicht! Wir schalten um und siehe da, dafür geht die 3-Farbenlaterne. Trotzdem unbefriedigend. Nach aller Analyse, die wir von Deck aus unternehmen können, kommen wir zu dem Schluß, dass die neue Verkabelung wohl in Ordnung ist und nun die Lampe, bzw. die LEDs den Geist aufgegeben haben. So wollen wir die Saison über nicht weiterfahren, also fragen wir nach Ostern, ob der Hafen bitte einen neuen Termin mit Bruno, dem Elektriker machen kann und ob sie einen Liegeplatz für uns haben. Zum Glück haben wir seit Panama bereits eine Ersatzlampe an Bord.
Mittwoch Nachmittag laufen wir dann wieder zurück in den Hafen. Parallel versuchen wir noch, ein Auto zu mieten, so dass wir noch mal ein bisschen einkaufen können. Leider sind alle Autos vermietet, ist schließlich Ostern. Auch Bruno ist offensichtlich nicht verfügbar, dafür haben wir einen Termin mit Mathieu, dem Rigger. Er kommt Donnerstag kurz nach 8.00 Uhr und steigt mit seiner eigenen Seiltechnik auf den Mast. Blöderweise ziehen in kurzen Abständen ganz mächtige Regengüsse durch. Bei dem Wetter macht es ja gar keinen Sinn, die neue Lampe zu installieren. Immerhin kann Mathieu pitschnass schon mal die alte Lampe abmontieren. Wir verabreden uns vage für den Nachmittag, falls das Wetter besser wird oder für Freitag früh um 8.00 Uhr. Das Wetter wurde zwar zum Glück besser, aber Mathieu haben wir an diesem Tag nicht wieder gesehen. Na ja, er hat ja wohl auch noch andere Aufträge. Zur Kontrolle schließt Dietrich die alte Lampe hier unten noch mal an und wir sehen ganz genau, dass von den Fahrtlichtern nur noch ein Bruchteil der LEDs leuchtet und vom Ankerlicht gar keine. Wir sind doch ziemlich enttäuscht, das Lopo-Light mit den drei Komponenten Ankerlicht, Notblitz und 3-Farbenlaterne hatten wir 2018 installieren lassen, die Lampe war seeehr teuer und machte mit einem Edelstahlgehäuse grundsätzlich einen sehr guten Eindruck. Bei dem Preis hatten wir eigentlich damit gerechnet, dass das Licht mehr oder weniger ewig hält.
Freitag früh scheint dann die Sonne und Mathieu kommt gut vorbereitet mit allem Werkzeug und längeren Schrauben, um die neue Lampe zu montieren. Wie wir gestern bereits festgestellt hatten, muß er neue Löcher in die Edelstahlhalterung bohren, die Löcher der alten Lampe passen blöderweise nicht für die Neue. Nach einiger Zeit machen wir den ersten Test, die Lampe leuchtet und Mathieu baut die Lampe fertig an. Wunderbar, nach einer Stunde ist er fertig, wir sind glücklich und freuen uns nicht nur über die gelungene Reparatur, sondern auch, den heißen Hafen so schnell wie möglich wieder verlassen zu können.
Da uns der Ankerplatz hinter dem Riff recht gut gefallen hat, fahren wir erstmal wieder dorthin. Der Anker fällt, wir befestigen unsere Floats, um die Ankerkette von den Korallenköpfen freizuhalten und gehen erstmal schnorcheln. Wie schön es doch hier ist! Unweit unseres Ankerplatzes finden wir eine lebendige, bunte Korallenwelt, an einer Koralle sind besonders viele kleine bunte Fische unterwegs. Große Schwärme in verschiedenen Blautönen bevölkern die Seiten des Korallenstocks, dazwischen ein paar Gelbe, ganz Bunte und andere Fische. Wunderschön! Zurück im Cockpit genießen wir diesen ruhigen Ankerplatz, die frische Luft und die fantastischen Wasserfarben.
In der Nacht regnet es noch mal heftig, der Wind springt von NW auf S und schließlich zurück auf NE, MACARENA macht ordentlich Strecke um ihren Anker. Die beiden Floats, die wir angebracht haben, verhindern zum Glück, dass sich die Kette an den Korallen verhakt. Trotzdem hieven wir den Anker am nächsten Tag ganz langsam und vorsichtig. Dann heißt es erstmal Abschied nehmen vom Westriff mit Blick auf Bora Bora. Bei bestem Wetter und sehr klarer Sicht verholen wir unter Maschine durch die große Lagune zwischen Raiatea und Tahaa auf die Ostseite Tahaas.
Hier gibt es im Umfeld einer Passage zwei hübsche, kleine Motus und nördlich davon guten Ankergrund hinter dem schützenden Ostriff. Der Blick über das Riff und die beiden Motus ist spektakulär, die Wasserfarbe hell-türkis. Bereits bei der Anfahrt zum Ankerplatz kann ich diverse Fische im klaren Wasser erkennen.
Ankern hinter den beiden Motus am Ostpaß von Tahaa
Wir bleiben eine gute Woche in dieser Gegend, schnorcheln an den Korallenköpfen direkt bei MACARENA und machen eine Schnorcheltour mit dem Dinghi zu verschiedenen Stellen auf dem Riff. Zweimal liegt ein (relativ kleiner) Kreuzfahrer hinter den Motus vor Anker, wir haben einen Logenplatz, um die ganzen Bootstouren und Aktivitäten zur Gäste-Bespaßung zu beobachten. Tatsächlich ist es an diesen Tagen erheblich welliger durch die vielen Bootstransfers.
Mit leichtem Gruseln und gleichzeitiger Faszination beobachten wir dann noch, wie sich 10 Katamarane, ausgestattet mit „Yacht Week“ Flaggen zu einer großen Party-Burg verankern. Je fünf Kats liegen mit dem Anker nach Luv im Päckchen, die anderen fünf legen ihren Anker auf die Leeseite und verschnüren sich rückwärts mit den Achterleinen jeweils zu ihrem Gegenüber. Das ist insofern sehr praktisch, als sie quasi als komplettes Paket jeweils mit „Bug- und Heckanker“ zu beiden Seiten fest sind und sich so nicht in der Strömung drehen. Und für die Partystimmung ist es auch vorteilhaft. Wir sind einigermaßen auf Abstand, so dass wir die Musik erstmal ertragen, später am Abend gibt es dann einen hilfreichen Regenguß und die Musikboxen werden wohl in Sicherheit gebracht, zumindest wird es deutlich leiser. Das ganze Manöver, wie die Boote sich verankern und untereinander verbinden, ist durchaus sehr interessant zu beobachten, das verschnüren zieht sich über mehrere Stunden hin. Offensichtlich sind Profi-Skipper am Werk, das ist nix für Anfänger. Die Gäste haben Kojencharter gebucht, das Segelerlebnis steht wohl nicht unbedingt im Vordergrund der Reise…
Nach einigen Tagen kommt noch mal so ein Schwarm Katamarane mit denselben Flaggen, diesmal vertäuen sich 15 Boote nebeneinander in einem Riesen-Päckchen vor Anker. Alle anderen Ankerlieger gehen deutlich auf Abstand zu der Truppe. Wir schätzen, dass auf jedem Kat mindestens sechs, auf vielen acht Leute sind, da kommt schon eine ganze Menge Partyvolk zusammen.
Abgesehen von diesen etwas ulkigen Showeinlagen liegen wir hier sehr ruhig, geschützt und ziemlich abgeschieden. Ein besonderer Genuß jeden Tag ist das Frühschwimmen, manchmal auch als verspätetes Frühschwimmen. Wir können einfach so in´s Wasser springen, die nächsten Nachbarn sind zumeist mehrere Hundert Meter entfernt, die Insel liegt gut einen Kilometer von uns. Zweimal fahren wir mit dem Dinghi in die nächste Bucht an Land, zum Einkaufen und zum Mittagssnack. Sowohl der kleine Supermarkt als auch das Restaurant haben natürlich einen Dinghi-Anleger, so was gehört hier zu den Basics der Infrastruktur. Für die Fahrt brauchen wir rund eine Viertelstunde für den Hinweg mit der Welle und deutlich länger gegen die Welle zurück. Eine echte „Spritz-Tour“, aber bei den hiesigen Temperaturen ist es ziemlich egal, ob wir naß werden und wir gehen anschließend sowieso erstmal baden.
Diese ruhigen Tage nutzen wir, um MACARENA weiter auf Vordermann zu bringen. Schließlich wird es Zeit, noch mal nach Uturoa zu einem Großeinkauf zu fahren und die Dinge zu kaufen, die wir hier nicht bekommen. Im Stadthafen von Uturoa gibt es einen Anleger, den man tagsüber für seine Einkäufe nutzen kann. Der Weg zum Supermarkt ist nicht weit und schon nach wenigen Metern erkennen wir, wie es wohl mit dem Transport unserer Einkäufe zurück zum Boot ablaufen wird. Überall am Hafen stehen Einkaufwagen der nahen Supermärkte. Aha, hier wird wohl nicht so ein Fahr-Service angeboten, wie wir es auf den Marquesas schätzen gelernt haben. Na gut, wir bekommen so ziemlich alles, was wir auf unserer Liste haben (das haben wir gar nicht erwartet) und schieben unsere Schätze in zwei Trolleys zurück zum Hafen. Insgesamt war das eine schnelle und gute Aktion, am Nachmittag fällt unser Anker wieder in der bereits bekannten Gegend hinter dem West-Riff vor Raiatea und wir können uns dort ausgiebig bei einem Bad erfrischen. Diesmal liegen wir relativ nah an der Einfahrt zum Riff und bei dem Canyon, der die beiden Riffbereiche trennt. Dorthin schwimmen wir und schorcheln ein bisschen umher.
Wow, in den großen Korallen zwischen dem 40 Meter tiefen Canyon und der nur 4 Meter flachen Sandbank tummeln sich unglaublich viele Fische. Unter einer großen Koralle guckt eine riesige Muräne hervor und lässt sich mit grimmiger Miene die Zähne putzen. Was für ein riesiges Tier! Spontan beschließen wir, noch einen Tag hier zu bleiben und starten am nächsten Tag zweimal zu Foto- und Video-Safaris zu dem tollen Korallengürtel. Die riesige Muräne zeigt sich leider nicht noch mal, dafür können wir tolle Aufnahmen von dem vielfältigen und bunten Leben in diesen Korallen machen.







