Bürokratie in Samoa
Endlich da, einlaufen Apia, Samoa
Bei Tageslicht sieht die Welt schon wieder ganz anders aus, wir laufen durch das betonnte Fahrwasser ein und gegen 9.30 Uhr fällt unser Anker in der großen Hafenbucht vor Apia. Uff, geschafft! Unser Liegeplatz ist direkt vor der wirklich tollen Hauptkirche des Ortes, ein wirklich sehr schöner Anblick. Wir sind beide ziemlich erschöpft, aber jetzt müssen wir erstmal die Einreise-Formalitäten mit den Behörden regeln.
Als erstes kommt Port-Control mit dem Health-Inspector per Boot zu uns. Beide sind sehr nett, der Health-Inspector ist ziemlich beleibt und trägt einen langen Rock. Das macht es für ihn nicht ganz einfach, von der Seite her über die Bordwand zu uns an Bord zu klettern. Als die Formalitäten mit den beiden erledigt sind, weist uns Port-Control darauf hin, dass wir nun unsererseits die anderen Kollegen von Customs, Immigration und Bio-Security mit unserem Dinghi von Land abholen müssen. Ach, da müssen wir erstmal das Dinghi zu Wasser lassen und den Motor anbauen. Kaum sind wir damit fertig, ruft uns Port-Control schon über Funk und sagt, die Kollegen seien bereit und warten darauf, von uns abgeholt zu werden.
Dietrich fährt mit dem Dinghi los und kommt mit zwei Ladies zurück, die anderen waren wohl doch noch nicht fertig. Also fährt Dietrich ein zweites Mal. Schließlich sind zwei Vertreterinnen von Customs, eine Dame der Immigration und ein Herr für Bio-Security bei uns im Cockpit versammelt. Alle haben diverse Papiere in der Hand, die ausgefüllt werden wollen. Und natürlich müssen in alle Formulare immer wieder dieselben Daten eingetragen werden. Schiffsdaten (Maße, MMSI, Registrierung etc.) und unsere persönlichen Daten (Paßnummern, Ausstellungsdatum, Ablaufdatum usw.) Je mehr ich schreibe, desto unleserlicher wird meine Handschrift, das hatten wir doch auch alles bereits vorab per Mail geschickt.
Wir lösen ein Problem, das wir eigentlich gar nicht haben…
Was wir vorher nicht gewußt haben, ist, dass es für die Herrschaften offensichtlich ein Problem darstellt, dass in unserer Ausreisebestätigung von Aitutaki „Niue“ als nächstes Ziel angegeben ist. Niue konnten wir wegen dem großen Schwell aus Süd aus Sicherheitsgründen nicht anlaufen und hatten dies auch schon vor Törnbeginn den Apia Customs mitgeteilt. Damals wurden wir aufgefordert, einen Beleg für das schlechte Wetter zu übersenden, was wir mit einem Screenshot der Wettervorhersage auch getan haben. Offensichtlich hat der Kollege dies jedoch nicht weitergeleitet oder bearbeitet. Es fehlt nun also die Bestätigung, dass wir tatsächlich einlaufen dürfen, da wir vor 10 Tagen noch „Niue“ als Reiseziel angegeben hatten.
Hm, aus seglerischer Sicht ist es nun wirklich nichts Ungewöhnliches, das Reiseziel unterwegs an die Wetterbedingungen anzupassen. Hier ist es jedoch ein Problem. Die Chefin der beiden Vertreterinnen von Customs erklärt uns, dass wir solange nicht an Land dürfen, bis eine Genehmigung vorliegt, dass wir von unserem ursprünglichen Reiseziel abweichen durften. Dazu braucht es noch eine weitere Mail an sie, die sie wiederum an ihren großen Chef weiterleiten wird, zwecks Bestätigung. Sie würde uns dann anrufen. Nachdem Dietrich die ganze Truppe wieder zurück an Land gebracht hat, (das Freibord des Dinghi war ziemlich ausgereizt / s. Beitragsfoto), arbeitet sie sich an unserem „Problem“ ab. Nach rund einer Stunde ruft sie an und teilt uns mit, das wir noch an Bord bleiben müssen, der große Chef sei noch in der Mittagspause. Dann dauert es noch knapp zwei weitere Stunden, bis sie erneut anruft und uns das okay gibt. Nun ist alles geregelt und wir sind offiziell in Samoa eingereist.
Also, der Fairness halber mus man sagen, dass die Erledigung der Formalitäten unter dem Strich insgesamt sehr gut geklappt hat. Da hatten wir vorher ganz andere Berichte von Seglern gelesen. Samoa war bis 1914 unter deutscher Verwaltung und ganz offensichtlich haben sie aus der Zeit sehr viel Bürokratie übernommen.
Der erste Landgang seit Aitutaki
Wir gönnen uns noch ein bisschen Ruhe und eine erfrischende Dusche, bevor wir am frühen Abend mit dem Dinghi zum Restaurant in der Marina fahren. Wir freuen uns über ein ordentliches Bier und das wir nicht selbst kochen müssen. Außerdem ergeben sich gleich noch ein paar Kontakte zu anderen Seglern, mit denen wir abstimmen, dass wir morgen oder übermorgen in die Marina kommen, wenn eine der anderen Yachten ausgelaufen ist. Wenn wir im Hafen liegen, wird der Landgang deutlich einfacher.