Berveridge Reef

Berveridge Reef

Mittwoch 03.06.2026: bye, bye Aitutaki

Alle Yachten, die mit uns nun schon einige Zeit in Aitutaki verbracht haben, laufen am Mittwoch aus. Zum Glück gab es in den letzten Tagen noch ein paar Neuankömmlinge, die sich gerne bereit erklären, uns beim Auslaufen mit den Leinen zu helfen. Genauso wie man beim Anlegen Helfer an Land braucht, kann man die Leinen am Ufer von Bord aus nicht mehr selber losmachen. Wir ziehen uns erstmal an der Ankerkette vor und kommen dann sicher aus dem engen Hafen. Draußen auf See sehen wir noch einige Zeit die Segel der anderen drei Yachten, die vor uns ausgelaufen sind, bis irgendwann die Abstände zu groß werden. Unser Kurs ist deutlich mehr südlich ausgerichtet, da wir vor Niue noch einen Zwischenstopp im Beveridge Reef machen wollen. Die Wettervorhersage ist günstig und sagt uns ein paar entspannte Flautentage im Beveridge Reef voraus.

Die Strecke Aitutaki – Beveridge Reef beträgt 480 nm, wir brauchen rund vier Tage für die Strecke. Während dieser Zeit ändert sich der Wetterbericht täglich und dies in nicht unerheblichen Maße.

Kurz vor der letzten Nacht sind wir wenige Seemeilen vor dem Beveridge Reef. Im Dunklen wollen wir nicht in das Riff einlaufen, drehen zu Beginn der letzten Nacht bei und lassen uns einigermaßen komfortabel dahintreiben. „Beidrehen“ und anschließendes „beiliegen“ ist ein Segelmanöver, bei dem das Vorsegel zur „falschen“ Seite (= Luvseite), also gegen den Wind gehalten wird, das Großsegel auf der „richtigen“ Seite (= Leeseite) steht und das Ruder wiederum zur Luvseite ausgerichtet ist. Auf diese Weise treibt das Schiff nur sehr sehr langsam vor dem Wind, liegt vergleichsweise ruhig im Wasser und es legt nur sehr kurze Strecken zurück – eine ideale Technik um einigermaßen ortsfest abzuwarten.

Da wir währenddessen als „Segelboot in Fahrt und mit Fahrt durchs Wasser“ gelten, läuft unser Wachsystem natürlich weiter.

Beveridge Reef: nur ein Hellblaues Nichts im weiten Dunkelblau des Pazifiks

Am Sonntag, 07.06.2026 laufen wir vormittags durch den (gerade) sehr ruhigen Paß in das Riff ein und suchen eine Zeitlang nach einem geeigneten Ankerplatz zwischen den Korallen. Das Wasser ist unglaublich klar, die Wassertiefe beträgt im Wesentlichen zwischen 10 und 15 Metern, der Meeresboden sieht jedoch so nah aus, als könnten wir jeden Moment auflaufen. Schließlich finden wir eine Sandfläche zwischen einzelnen Korallenköpfen, die uns groß genug erscheint, das unsere Ankerkette in alle Richtungen ausreichend Strecke auf dem Grund hat. Wir ankern auf 12 m Tiefe und setzen bei 20 m den ersten Float, um die Ankerkette über den Korallen schweben zu lassen.

Bereits im Paß entdecken wir ein Dinghi, das dort ankert, die Crew ist wohl Tauchen. Das Beiboot gehört zu einem der Katamarane, den wir von Aitutaki her kennen. Nun ja, für zwei Yachten ist sicher genug Platz im Atoll, der Abstand zwischen unseren Ankerplätzen beträgt gut einen Kilometer.

Das Beveridge Reef besteht lediglich aus einem schmalen, überspülten Korallenkranz, der den inneren Bereich ein wenig von den Ozeanwellen abschirmt. Drumherum ist das Meer binnen Kürze dunkelblau und 4.000 m tief, drinnen hellblaue 12 m. Es ist ziemlich skurril, hier gibt es kein Land, man sieht eigentlich gar nichts, bis auf den ringsum weißen Streifen der brechenden Wellen. Sehr schön und eine sehr reduzierte Umgebung. Selbst auf Google Earth ist das Atoll nicht zu erkennen, zu wenig Masse. Dafür gibt es auch keine Mücken hier.

Wir genießen es sehr, endlich wieder baden zu können und freuen uns über diese unvergleichliche Weitsicht im klaren Wasser. Von MACARENA’s Bug aus können wir beim Schnorcheln bereits unseren 50 m entfernten Anker sehen. Hm, dabei stellen wir fest, dass wir uns schon ein wenig gedreht haben und unsere Floats ggfs. die Kette nicht hoch genug über die Korallen heben, wenn wir noch weiter drehen. Als wir ankamen hatten wir westliche Winde, die jedoch in der kommenden Nacht weiter über Nord bis auf Südost und Süd drehen sollen. Wir holen die Kette bis zu den letzten beiden Floats wieder hoch und befestigen jeweils noch einen Fender neben dem Float.

Jetzt schwebt die Kette deutlich höher und MACARENA kann sich unbeschwert drehen. Wir erfreuen uns an einem riesigen Schwarm Hornhechte, die dicht an dicht überall um uns herum schwimmen. Mit ihnen kommen auch zwei große Grauhaie, beim nächsten Bad sind wir etwas misstrauisch. Wir haben gelesen, dass die Haie hier sehr neugierig sind und aufgrund der Abgelegenheit wohl keine Angst vor Menschen haben. Irgendwie auch blöd…

Ein Besuch auf Niue muß ausfallen

In der Zwischenzeit hat sich der Wetterbericht weiter geändert, so dass für die nächsten Tage starke Winde und großer Schwell aus südlichen Richtungen vorhergesagt werden. Die anderen Segler, die mit uns Aitutaki verlassen haben, entscheiden sich alle dazu, an Niue vorbei zu segeln und direkt nach Tonga durchzufahren. So ändern sich die Pläne. Unsere Entscheidung, ein paar Tage im Beveridge Reef zu bleiben, war letztendlich auch vor dem Hintergrund gefallen, dass die Moorings in Niue ausgebucht waren. Nun sind fast alle wieder frei. Niue ist eines der kleinsten Länder der Welt und besteht eigentlich nur aus einem großen Felsstück, das relativ steil aus dem Pazifik ragt. Es gibt dort keinen Hafen, man kann lediglich an der Westküste an einigen Mooring-Bojen festmachen. Bei östlichen Winden liegt man dort ziemlich gut geschützt, aber sobald die Welle aus Südost kommt, wird es schnell sehr rollig und ungemütlich. Ebenfalls gibt es keine Möglichkeit, mit dem Dinghi am Strand anzulanden. Dafür gibt es einen Kran, mit dem man sein Dinghi schnell aus dem Wasser heben und auf der Pier abstellen kann. Dies ist bei etwas mehr Schwell auch kein Vergnügen und erscheint uns zu gefährlich.

Die aktualisierte Wetterprognose lässt uns den Sitz der Ankerkette nochmals kontrollieren. Die beiden Floats mit den zusätzlichen Fendern sind sehr gut platziert, aber es wäre nicht schlecht, wenn auch der erste Float die Kette noch ein bisschen mehr heben könnte. Also holen wir die Kette (und die hinteren beiden Floats) noch mal ein und befestigen einen Fender ein paar Meter hinter dem vordersten Float. Gemeinsam heben sie die Kette auf eine gute Höhe.

Insgesamt haben wir nun 55 m Kette im Wasser. Mittlerweile spüren wir deutlich den Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser. Der Wasserstand ändert sich um rund 60 cm, bei Niedrigwasser ist kaum Welle in dem Atoll, bei Hochwasser wird es nun etwas unruhig, wenn die Wellen über das Riff kommen.

Zwischenzeitlich sind noch zwei weitere Yachten angekommen, die aber jeweils nur für eine Nacht im Atoll geblieben sind. Ab Dienstagmittag sind wir ganz alleine im Reef. Immer wieder holen wir die Wettervorhersage ein. Es wird nicht besser um uns herum. Da kommt ein riesiges Starkwindfeld weit aus dem Süden von Neuseeland heran gerauscht, das einen mächtigen Schwell von über 5 m Welle mit sich bringt. Dem zu entgehen ist nicht möglich, alle Optionen sind eher unschön. Niue fällt aus, bei dem Schwell können wir dort nicht im freien Wasser an der Mooring liegen.

Nach Tonga könnte man segeln, jedoch mit 5 m Welle und über 25 Knoten Wind von der Seite auch wenig verlockend. Außerdem wollten wir ja von Niue noch weiter nach Samoa segeln. Das wäre vielleicht die beste Option, auf der Strecke hätten wir zumindest Wind und Welle von achtern.

Noch liegen wir im Atoll relativ gut, aber in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ist während der zwei Stunden vor und nach Hochwasser nachts an Schlaf nicht mehr zu denken: MACARENA rollt in den Wellen und zerrt mächtig an der Ankerkette, die Geräusche sind beunruhigend. Hm, dabei sind aktuell draußen „nur“ etwa 2,50 m Welle, wie soll das bei 5 m werden? Es ist schwer einzuschätzen, die Wellen werden sicher am Riff brechen, das haben wir bei den 3 m hohen Wellen auf Maupiti deutlich gesehen. Aber die außergewöhnlich hohen Wellen drücken bestimmt eine Menge Wasser über das Riff und die ganze Angelegenheit wird uns zu heikel. Nach einigem abwägen beschließen wir, heute Mittag auszulaufen und nach Samoa zu segeln. Das wird sicher auch eine ungemütliche Strecke, aber wenn wir erstmal dort sind, sind wir sicher.

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