Am-Wind-Kurs nach Vava’u
31.07. – 01.08.2026
Freitag stehen wir relativ früh auf, wir wollen zwischen 8.00 und 9.00 Uhr starten. Die letzte Prognose der Wettervorhersage war, das wir rund 30 Std brauchen bis Vavau, wir sollten also nach einer Nacht gut am Samstag im Laufe des Tages und im Hellen ankommen. Aber mit den Wettervorhersagen ist es ja so eine Sache. Die Prognose ist nicht ganz falsch, der Wind liegt um 18 Knoten, in Böen bei 25 Knoten. Nur leider bleibt die versprochene Drehung von Süd-Ost auf Ost aus, so dass wir den größten Teil der Passage am-Wind segeln.
Nach der Ausfahrt aus der Lagune müssen wir rund eine Std unter Motor und Großsegel gegen Wind und Welle aufkreuzen, um genügend Abstand nach Luv zur Insel zu gewinnen, die Welle beträgt gut 2,50 m. Dann können wir endlich segeln und nehmen das Groß und die Genua beide in´s zweite Reff.
Oha, das wird eine etwas herausfordernde Überfahrt. Wind und Welle kommen aus etwa 60 ° zur Fahrtrichtung, besonders die Welle ist sehr unangenehm. Ein paar Stunden weht der Wind mit 25 Knoten, die Wellen brechen über das Deck und viel Gischt fliegt über das Bimini. Bei den Bedingungen wird es schwierig, sich festzuhalten, geschweige denn, sich zu bewegen. Nachmittags lässt der Wind etwas nach und bleibt zwischen 15 und 20 Kn, hin und wieder kommt noch Gischt über, aber die Schiffsbewegungen werden erträglicher. Wir schauen immer wieder zurück, um zu sehen, wann die anderen Yachten losfahren, aber offensichtlich bleiben wir die einzigen Deppen, die heute ausgelaufen sind.
In der Nacht leuchtet der Vollmond für uns, aber das Wetter bleibt unbeständig und immer wieder ziehen dichte Wolkenfelder durch, die Böen von 22 – 25 Kn mitbringen. In jeder Wache sind wir auf Hab-Acht-Stellung und bereit, das Großsegel bei einer Bö aufzufieren. Erst am Samstagmorgen dreht der Wind tatsächlich auf Ost und beschert uns den ersehnten Halbwind-Kurs. Zu dieser Zeit ist Vavau schon am Horizont zu sehen.
Vor der Nordwestküste von Vava’u sind eine Menge Whale-Watching-Boote unterwegs. Aus der Ferne kann ich einige Blasfontänen der Wale sehen. Plötzlich höre ich in einiger Entfernung schräg hinter mir einen lauten, dumpfen Schlag. Als ich mich umdrehe, sehe ich gerade noch einen großen Gischt-Teppich, der sich auf dem Wasser ausbreitet. Hier ist wohl gerade ein Wal gesprungen. Tatsächlich zeigen sich in der Richtung kurze Zeit später mehrere Walrücken. Ich bin begeistert und kann mich gar nicht sattsehen. Besonders freue ich mich, dass die Wale viel dichter bei MACARENA als bei den Walbooten sind, das ist ein tolles Schauspiel.
Ankunft auf der Vavau-Inselgruppe
Vavau besteht aus einer Hauptinsel, die von sehr vielen kleinen und winzigen Inseln umgeben ist. Die Einfahrt zur großen Mooring-Bucht vor Neiafu liegt natürlich genau in Luv, aber so ein bischen können wir ja noch segeln. Wir hangeln uns von Insel zu Insel und Bucht zu Bucht und nehmen jeden Winddreher mit. Das Wetter ist prima und im Schutz der Insel gibt es so gut wie gar keine Welle. Der seglerische Ehrgeiz ist geweckt und wir trimmen die Segel für einen optimalen Am-Wind-Kurs. Nach und nach kreuzen wir mit einer Menge Wenden zwischen den kleinen Inseln und in den Buchten auf. Der Wind dreht hinter jedem Felsen und aus den Durchlässen zwischen den Inseln setzt die Strömung zumeist in die falsche Richtung.
In einer der Buchten taucht plötzlich rund 20 m vor uns etwas Großes, Dunkles aus dem Wasser. Huch, ein Wal! Er kommt direkt auf uns zu und taucht ganz kurz vor uns wieder ab. Uff, das war ja super toll, aber auch erstmal ein ziemlicher Schreck. Damit hatte ich gar nicht gerechnet, das Wale soweit in die engen Gewässer zwischen den Inseln kommen.
Erst als das betonnte Fahrwasser beginnt und es tatsächlich sehr eng wird, müssen wir die Segel wegnehmen und die Maschine nutzen. Toll, das waren tatsächlich seit langem mal wieder ein paar Stunden ganz feines Segeln einfach nur so zum Spaß. Ansonsten segeln wir ja im Wesentlichen auf den notwendigen Transfer-Strecken zu unserem nächsten Ziel. Und so viele Wenden auf einmal hatten wir ja ewig nicht; in den letzten zwei Jahren sind wir zwischen Martinique und Tahiti nur eine einzige Wende überhaupt gefahren.
Vor Neiafu erstreckt sich ein sehr großes Mooring-Feld, ich zähle rund 50 Yachten. Wir schauen ein bischen, wo eine Mooring frei ist und ob sie wohl für Gäste oder privat ist. Als wir schließlich eine passende Mooring gefunden und daran festgemacht haben, entdecken wir ganz in der Nähe die „Arvonna“. Das freut uns sehr, das sind Debra und Kevin, mit denen wir in Apia eine schöne Zeit verbracht haben. Die müssen wir unbedingt besuchen, aber nicht mehr heute… Bevor wir richtig zur Ruhe kommen, gibt es noch einiges an MACARENA vom Salz zu befreien und zu trocknen. Im Vorschiff und im vorderen Bad ist an den Verschlüssen der Decksluken blöderweise etwas Wasser durchgekommen. Das hatten wir noch nie – aber wir hatten auch noch nie so viel Wasser an Deck, wie bei dieser Überfahrt.
Auch am Sonntag fühlen wir uns einfach schlapp und brauchen noch ein bischen Zeit zur Regeneration. Nachmittags kommt ein Dinghi vorbei, wir freuen uns sehr, Debra und Kevin zu sehen. Wir klönen ein bischen und sie erzählen, dass auf dem Weg an Land sind und heute Abend mit ein paar Bootsnachbarn im Restaurant „Kraken“ essen wollen. Ob wir auch mitkommen wollen? Oh ja, sehr gerne! Zumal sich herausstellt, das Kevin heute Geburtstag hat. Na, da sind wir ja gerade zur richtigen Zeit angekommen, dass wir heute mit ihm feiern können. Gemeinsam mit den Beiden, den anderen Nachbarn und ihren vier Kindern verbringen wir einen sehr netten Abend im „Kraken“. Es gibt viel zu erzählen und es herrscht eine ausgelassene Stimmung.

