Aitutaki

Aitutaki

Unweit des Hafens finden wir einen ziemlich gut sortierten Supermarkt mit einem kleinen Café. Da es mittlerweile angefangen hat zu regnen, machen wir erstmal eine Kaffeepause und beobachten ein bisschen das Treiben auf der Straße. Die meisten Leute sind auf Motorrollern unterwegs, bei dem Wetter nicht so richtig gemütlich.

Nachdem wir noch den Herrn im Tourist-Info erschreckt haben, gehen wir zur Polizei, um eine „Cook Islands Driver´s Licence“ zu erstehen. Es erschließt sich uns nicht, warum man auf einer Insel mit rund 1.300 Einwohnern und sehr überschaubaren Verkehrsverhältnissen eine extra Lizenz braucht, aber das Ganze geht schnell und kostet nur 2,50 NZ$ pro Person. So sind wir nach 5 Minuten stolze Besitzer eines neuen Führerscheins in sonnigem Gelb.

In den Regenpausen schlendern wir längs der Haupt-Inselstraße und schauen uns etwas in den kleinen Läden um. Alle Leute mit denen wir sprechen sind super freundlich, sehr entspannt und offen. Auf der Insel herrscht eine wirklich herzliche Atmosphäre, wir fühlen uns sehr wohl. Alleine die Tatsache, dass hier neben dem einheimischen „Cook-Maori“ alle sehr gut Englisch sprechen, erweitert unsere Kommunikation mit den Einheimischen gegenüber den bisher französisch-sprachigen Inseln enorm. Auch ist die Temperatur heute sehr angenehm, es ist bewölkt und man kann sich gut bewegen, ohne gleich vor lauter Schwitzen zu zerfließen. So tingeln wir den Vormittag über die Insel und kommen pünktlich zur Mittagszeit in einem sehr netten kleinen Imbiß-Restaurant an. Hier gönnen wir uns einen außerordentlich leckeren Burger mit Blick auf das Riff. Außerdem können wir im angeschlossenen Mini-Markt noch eine Papaya erstehen. Das erste frische Obst seit Bora Bora! Sehr zufrieden mit der hiesigen Welt laufen wir längs der Straße wieder zurück zum Hafen. Dort kommen wir gerade rechtzeitig an, bevor es erneut anfängt zu regnen, diesmal sehr heftig und von kräftigem Wind begleitet. Was sind wir froh, heute nicht auf See zu sein!

Wir erkunden Aitutaki

Am nächsten Tag haben wir noch ein bisschen was bei uns an Bord zu erledigen und helfen unseren Nachbarn, ihren Katamaran neu zu verankern. Das ist selbst mit vier Leuten eine etwas länger währende Angelegenheit, bis alle Leinen gelöst, der Anker gehievt und neu ausgebracht ist und schließlich alle Leinen wieder an Ort und Stelle sind. Schwupp, schon ist der halbe Tag um. Für den Abend verabreden wir uns mit den anderen Seglern, gemeinsam Essen zu gehen. Insgesamt sind wir zehn Leute und das entlegene Restaurant ist so freundlich, zwei Autos zu schicken, um uns abzuholen und auch wieder zurück zu bringen. Das Essen ist lecker, die Location sehr entspannt und mit all den Seglern bilden wir eine sehr angeregte Tischgemeinschaft mit interessanten Gesprächen.

Für Samstag ist dann die Ankunft einer weiteren Yacht angekündigt. Es geht ihnen ein bisschen so wie uns, sie sind vormittags vor dem Paß und müssen warten, bis die Barge Pause macht. Das Versorgungsschiff ist immer noch vor Ort und wird seit nunmehr drei Tagen entladen. Offensichtlich wollen sie gerne fertig werden mit ihrer Arbeit, verzichten auf die Mittagspause und machen um etwa 14.30 Uhr Schluß. So lange sitzen wir alle ein bisschen auf der Warteposition, um stand-by zum Helfen zu sein, wenn die Yacht einläuft. Die Bedingungen sind heute einfacher, als bei unserem Einlaufen und zum Glück regnet es auch nicht. Als das Boot vertäut ist, starten wir einen erneuten Anlauf, ein Auto zu mieten. Diesmal haben wir Erfolg und mieten ein knallrotes kleine Auto direkt am Hafen.

Prima, damit fahren wir gleich los und schauen mal in den Supermärkten an der Westküste, was sie so leckeres im Angebot haben. Tatsächlich gibt es einen Laden, der zwar nicht groß, aber sehr an westlichen Standards orientiert ist. Es gibt Joghurt und sogar Äpfel, wir sind überaus glücklich. Als Bonus spendieren wir uns noch ein Eis, dies ist so groß, dass wir die Portion mit zwei Kugeln gerade so zu zweit schaffen, das will was heißen.

Der nächste Tag ist Samstag und wir wollen noch die anderen Supermärkte auf der Insel abklappern. Es gibt keinen großen Laden, der alles hat oder einen, der besonders günstig ist, sondern man muß überall gucken und schauen, was man findet. Na gut, wir verbinden das mit der touristischen Erkundung der Insel und kommen so ganz gut rum. Auf der Ostseite stoßen wir an die Ufer der großen Lagune, die Farben sind wieder mal traumhaft schön. Der Weg nach Süden führt uns durch einen (oder mehrere, das kann man nicht genau sagen) Banyan-Tree. Es ist ein riesiges Gebilde aus Luftwurzeln, Zweigen, Ästen und Blättern und die Straße führt mitten durch das Baum-Geflecht wie durch einen Tunnel.

Nach einem kleinen Mittagssnack erkunden wir die Aussicht vom Look-out-Point auf dem Bergrücken. Von hier aus hat man einen grandiosen Blick über den Hafen und die Lagune.

Der Rückweg bergab führt über eine unbefestigte Piste und wird ein bisschen abenteuerlich für unser kleines Auto.

Aber auch in abgelegenen Ecken finden wir modernste Technik, die offensichtlich die Wasserversorgung unterstützt.

Danach fahren wir längs der Lagune zum Airport. Der ist wie erwartet ganz niedlich, verfügt jedoch über eine richtig lange Start- und Landebahn. Einige große Fotos dokumentieren den Bau des Flughafens durch die Amerikaner während des zweiten Weltkriegs. Es ist sehr interessant, bevor man mit dem Bau beginnen konnte, mußte als erstes der Paß durch das Riff erweitert und der Hafen befestigt werden, damit überhaupt Maschinen und Baumaterial auf Aitutaki angelandet werden konnte. Vorher war der Paß nur mit den kleinen einheimischen Booten passierbar. Die Amerikaner haben während des Krieges eine ganze Reihe von solchen Flughäfen auf den pazifischen Inseln angelegt, um die Verbindung zwischen Hawaii und Australien zu gewährleisten.

Am nord-östlichen Ende der Insel finden wir dann einen sehr schönen Strand mit mehreren Resorts und Ausflugslokalen vor. Zu unserer großen Überraschung treffen wir dort unsere Nachbarn Carol und Ken, die gerade mit ihren Scootern angekommen sind. Gemeinsam nehmen wir einen Drink in einer Strandbar und genießen den Blick über die Lagune.

Auf dem Rückweg machen wir einen kurzen Halt an einem Resort an der Westküste, um dort einen Tisch für Sonntagabend zu reservieren. Wie es der Zufall will, treffen wir gerade dort auf andere nette Segler-Nachbarn, Shannon und Andy. Natürlich kommen wir nicht umhin, auch mit ihnen noch einen kleinen Happy-Hour Drink auf der wirklich sehr schönen Terrasse des Resorts zu nehmen.

Von dort aus haben wir nicht nur einen tollen Blick auf die Küste hinter dem Westriff, wir beobachten auch eine Segelyacht, die versucht, in den Paß einzulaufen. Oh, das tut uns leid, von dem Boot wußten wir nichts und sind nun leider nicht vor Ort, um beim Anlegen zu helfen. Wir beobachten interessiert, wie die Yacht sehr langsam in den Paß einläuft und nach nicht allzu langer Zeit plötzlich umdreht. Oha, wenden in dem engen Paß ist sicher auch nicht ganz ohne, aber offensichtlich ist es zuviel Strömung für sie. Das Boot bleibt über Nacht auf dem freien Wasser und läuft schließlich am nächsten Morgen um 9.00 Uhr in den Hafen von Aitutaki ein. Eine dänische Yacht mit fünf oder sechs Jungs an Bord, ganz offensichtlich ohne Internet-Zugang, eine Seltenheit heutzutage. Nichts desto trotz sind genügend Segler da, um entsprechend beim Anlegen zu helfen.

Sonntagvormittag um 10.00 ist Gottesdienst in der großen katholischen Kirche direkt hinter dem Hafen.

Gemeinsam mit unseren Nachbarn möchte ich mir das gerne anschauen. Es gibt sehr viele Kirchen auf der kleinen Insel, Google verzeichnet acht Kirchen. Wir sind uns ziemlich sicher, dass es mindestens zwölf sein müssen und nicht alle bei Google eingetragen sind. Eine beachtliche Kirchendichte für die kleine Insel. Diese Kirche ist sehr groß und schön in hellen Farben gehalten. Angesichts der vielen Sitzplätze ist sie heute jedoch nur zu einem Drittel gefüllt, die Hälfte davon sind offensichtlich Touristen. Die Einheimischen sind sehr festlich gekleidet, viele der Frauen tragen aufwendig geflochtene Hüte. Auch wir haben uns angemessen in Schale geworfen. Der Gottesdienst wird neben einer Begrüßung und einigen kurzen Passagen auf Englisch durchgehend auf Maori gehalten. Zwischendurch wird kräftig gesungen, dies erfolgt zum Teil im Wechselgesang zwischen den Männern und Frauen. Durchaus beeindruckend, einige der älteren Ladies drehen richtig auf. Allerdings gibt es bezüglich der Geschwindigkeit wohl unterschiedliche Vorstellungen zwischen den Sängerstimmen….

 

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