Überfahrt nach Aitutaki
22.06.2026 Wir verlasse Französisch Polynesien
Freitagmittag wollen wir los, vorher gibt es dann doch noch erstaunlich viel auf den letzten Drücker zu erledigen. Als wir anfangen die Ankerkette zu hieven, stellen wir fest, dass die Algen daran sehr hartnäckig sind und haben ganz ordentlich zu schrubben. Zum einen rutscht die Kette besser in den Kettenkasten, wenn sie sauber ist. Zum anderen müffeln die Algen unangenehm, also wollen wir möglichst alles abschrubben. Tatsächlich brauchen wir eine gute halbe Stunde, bis der Anker endlich oben ist.
Dann geht es los, erst in die Passage zwischen den beiden Motus und dann durch den Paß. Spannend, aber mittlerweile liegt der auflaufende Schwell nur noch bei etwas weniger als 2 m und der Wind weht sehr moderat aus Nord-Ost. Durch die auslaufende Strömung bilden sich ein paar Wellen im Fahrwasser, aber das ist gar nichts gegenüber dem, als wir eingelaufen sind. Ein bisschen Geschaukel und schon sind wir draußen auf dem weiten Pazifik. Leider erstmal ohne Wind.
Aber schon bald können wir den Motor schonen und die Segel setzen. Die Bedingungen sind sehr smooth und moderat. Dadurch, dass so wenig Welle ist, kommen wir jedoch auch mit wenig Wind ganz gut voran. Das fühlt sich alles so an, als hätte sich das lange Warten auf das Wetterfenster gelohnt. Kurz vor Sonnenuntergang, als die Sonne schon sehr tief steht, hören wir plötzlich ein lautes Pusten. Wir gucken uns an, warst Du das gerade? Nein, das muß jemand anders gewesen sein. Da, nochmal! Ganz kurz hinter uns taucht ein langer Rücken aus dem Wasser, ein Wal! Dann dreht er sich unter Wasser auf die Seite und wir sehen seinen weißen Bauch in den Wellen schimmern, bevor er wieder an die Oberfläche kommt und vernehmlich atmet. Fasziniert starren wir in´s Wasser, was für ein Schauspiel!
Wechselhaftes Wetter auf dem Weg zu den Cook Inseln
Die Nacht verläuft ruhig, wir sind in unserem Wachsystem und segeln entspannt auf unserem Kurs gen Westen. Auch am Samstag erfreuen wir uns erstmal bester Bedingungen. Ab Mittag verändert sich die Wetterlage und aus den freundlichen weißen Wolken entwickelt sich eine immer dunkler werdende Front. Das war in allen Wettervorhersagen angekündigt und unumgänglich auf der Strecke. Wir bereiten uns auf ordentliche Böen vor. Dann geht es los, Böen mit 25 kn Wind und kräftigem Regen schieben MACARENA voran. Aber das war nur das Vorgeplänkel, da kommt noch mehr. Ui, eine mächtige Böe mit 35 kn will uns auf die Seite drücken, schnell fieren wir die Schoten und fallen ab, alles gut. Der Regen dreht derweil noch mal auf, es ist, als käme er aus Feuerwehrschläuchen. Obwohl der Wind die Wellen aufbaut wird die direkte Wasseroberfläche durch den Regen geglättet, das sieht sehr merkwürdig aus. Die druckvolle Böe ist bald vorbei, jedoch hat der Wind mit der Front auf West gedreht. Das können wir ja gar nicht gebrauchen, wir müssen nach Süden ablaufen. Erst nach ein paar Stunden dreht der Wind weiter südlich, wir können umlegen und den neuen Kurs nach Nord-West absetzen. Die See ist sehr unruhig und überall sind Wetterzellen mit Regen und Böenfronten zu erkennen. Wir haben sehr viel Glück, navigieren zwischen den Fronten hindurch und bleiben von weiteren Starkwindeinflüssen verschont. Bei um 20 kn Wind läuft MACARENA ganz stabil und langsam aber sicher können wir unseren Kurs immer weiter Richtung Westen legen.
Wir kommen gut durch die Nacht, jedoch beobachten wir alle dunklen Wolkenfelder am Himmel misstrauisch. Unsere Segel stehen beide im zweiten Reff, da sind bis 25 kn Wind kein Problem für MACARENA, zum Glück bleibt es dabei. Am Sonntag beruhigt sich das Wetter weiter, es ist durchgehend grau bewölkt und erinnert irgendwie an die Sommer auf der Ostsee. Aber der Wind bleibt relativ gleichmäßig zwischen etwa 15 und 20 kn, damit kommen wir gut voran. Die Welle ist zwar teilweise etwas höher, jedoch nicht ruppig, so dass wir im Wesentlichen ganz gut im Salon schlafen können.
Montag geht dem Wind allmählich die Puste aus, alle Vorhersagen zeigen ein ausgeprägtes Schwachwind-Gebiet zwischen uns und Aitutaki. Wir versuchen, dies nördlich zu passieren und dabei so viel Wind wie möglich mitzunehmen. Gleichzeitig haben wir natürlich auch ein Auge auf den weiteren Verlauf unserer Reise. Am Dienstag soll sich bei Aitutaki das Wetter wieder verschlechtern und sowohl Regen als auch viel Wind aufbauen. Für Mittwoch ist dann richtiges Mistwetter vorhergesagt. Das wollen wir auf keinen Fall auf See erwischen. Wenn wir also am Dienstag ankommen wollen, müssen wir mindestens 5,5 kn laufen. Das schaffen wir unter Segeln bei dem Wind leider nicht. Schweren Herzens schmeißen wir den Motor an und bergen die Segel. So können wir mit etwas über 6 kn direkt auf unser Ziel zuhalten.
Wie könnte es anders sein, kurz nachdem wir die Segel weggenommen haben, geht der Wind wieder hoch… Jedoch bleibt es ein auf und ab, mit solch einem Wind können wir unser Ziel nicht in der gewünschten Zeit erreichen. In der Nacht, in meiner 0-4 Wache beobachte ich dann einen stetig ansteigenden Wind. Nachdem mich die stetig steigende Tendenz überzeugt hat, dass wir nun wieder brauchbaren Wind haben, rolle ich die Genua wieder aus und stoppe den Motor. Wie schön, wir sind mit der Genua im 1. Reff tatsächlich genauso schnell, wie unter Maschine. Der Wind steigt dann über Nacht wieder auf 20 – 25 kn an und wir kommen flott voran. Beim morgendlichen Wachwechsel um 8.00 Uhr ist Aitutaki nur noch 10 Seemeilen entfernt und wir können unsere Ankunft für etwa 10.00 Uhr ankündigen.
Einlaufen Aitutaki
In allen Informationen zu der Insel haben wir gelesen, dass das Einlaufen in Aitutaki nicht ganz einfach sein soll. Zum einen muß man durch einen relativ engen Paß, i.d.R. mit ca 3-4 kn auslaufender Strömung, zum anderen braucht man wohl die Unterstützung anderer Segler zum Anlegen in dem kleinen Hafen. Dazu gibt es eine WhatsApp Segler Gruppe „Aitutaki Welcoming Commitee“, in der wir unsere Ankunft bereits vorab angekündigt haben. Nun also können wir es konkretisieren. Jedoch liegt aktuell ein Versorgungsschiff vor dem Paß und bringt seine Ladung mit einer Barge durch den Paß in den Hafen. Als wir uns bei der Port-Control anmelden, sagt man uns, wir dürfen noch nicht einlaufen, sondern müssen auf die Mittagspause der Barge warten. Das sei irgendwann nach 12.00 Uhr. Aha, nun haben wir also zwei Stunden Zeit, die wir uns hier draußen vertreiben müssen. Zwar sind wir im Lee der Insel einigermaßen geschützt, aber toll ist es nicht. Unter Maschine fahren wir auf und ab und können zumindest die Zeit nutzen, um nochmal Wasser zu machen.
Gegen 12.00 Uhr frage ich über Funk noch mal nach, wann denn die Barge Mittagspause macht. Das dauert noch, sie entlädt jetzt, fährt dann noch mal zum Frachter und wenn sie dann wieder drin sind, machen die Männer Mittag. Na gut, wir behalten den Frachter und die Barge im Blick. Es dauert noch etwa eine weitere Stunde, bis die Barge wieder beladen ist und sich erneut auf den Weg durch den Paß macht. Die Dame von der Port Control weißt uns an, dass wir der Barge folgen sollen, sobald sie etwa die Hälfte der Strecke zum Hafen hinter sich hat. Außerdem gibt sie uns noch Anweisungen, wo wir im Hafen anlegen sollen. Die Infos gebe ich weiter an das „Welcoming Commitee“ der Segler im Hafen. Und schon gibt es eine Menge unterschiedlicher Meinungen und Informationen. Offensichtlich sind die Segler der Meinung, dass der Liegeplatz, den uns Port Control angewiesen hat, nicht möglich ist, da dort gar keine Möglichkeiten sind, die Achterleinen an Land zu befestigen. In Aitutaki legt man wie im Mittelmeer „römisch-katholisch“ an, d.h. rückwärts mit dem Heck zum Land und den Bug mit dem Anker gesichert.
Diese Diskussion spielt sich ab, während wir MACARENA bei über 4 kn Strom gegen an, Seitenwind und einsetzendem Regen durch den engen Paß zirkeln. Nicht wirklich schön, besonders auf der Leeseite an Steuerbord ist es bereits innerhalb des markierten Fahrwassers viel zu flach. Als wir im Hafen ankommen stehen eine Menge Segler auf der „Mittelpier“ und winken uns auf die Südseite des Hafens. Die Lady von der Port Control hatte uns zwar in den anderen Bereich gewiesen, ist aber nach dem Widerspruch der Segler-Community mit allem zufrieden, wenn wir nur nicht der Barge im Weg liegen.
Spannendes Anlegemanöver im Aitutaki-Style
Oha, das ist aber wirklich eng und tricky hier. Wir lassen den Anker fallen und ziehen zurück. Der Seitenwind will uns quer durch den Hafen treiben. Mit etwas Zug auf der Ankerkette, Bugstrahlruder und dem Pushen durch ein Dinghi manövrieren wir uns dann in die Lücke zwischen zwei Katamaranen. Uff, das ist schon mal gut. Die freundlichen Segler-Nachbarn im Dinghi übernehmen unsere Achterleinen und übergeben diese den Seglern an Land, die die Leinen an großen Betonklötzen befestigen. Dann können wir die Achterleinen von Bord aus dicht holen und MACARENA nach und nach zwischen Achterleinen und Anker ausrichten. So ist das wohl immer hier. Man ist tatsächlich auf die vereinten Kräfte und die Unterstützung der anderen Segler im Hafen angewiesen. Alleine kann man seine Leinen gar nicht an Land bringen.
Der Hafen ist schon sehr speziell. Es gibt keine befestigte Pier, das ist alles nur aufgeschütteter Korallen-Schrott und Dreck, auch gibt es keine Poller, sondern nur große Betonklötze oder Korallenstöcke, um die man seine Leinen legen muß. Nicht schön für die Leinen. Der ganze Hafen ist sehr improvisiert und noch weit davon entfernt, irgendwann einmal eine „Marina“ zu sein. Damit das Heck etwa 3-4 Meter vom Ufer entfernt liegt und man nicht mit dem Ruder aufsetzt, sind rund 30 m lange Festmacher erforderlich. Dafür müssen wir jeweils zwei dicke Leinen aneinander stecken, das gibt dann sehr unhandliche und schwere Berge an Leinen.
Wir sind froh, angekommen und fest zu sein und bedanken uns ganz herzlich bei allen Helfern, die uns im strömenden Regen unterstützt haben. Wirklich eine tolle Community! Die Nachbarn auf unserer Steuerbordseite sind Carol und Ken auf „Water Music“, unsere netten Nachbarn aus Maupiti.
Wir haben noch nicht durchgeschnauft, da ruft schon jemand von der „Pier“ aus. Es ist der Health-Officer, der an Bord kommen und seinen Gesundheits-Fragebogen mit uns ausfüllen will. Prima, aber damit er zu uns kommen kann, müssen wir das Dinghi zu Wasser lassen. Auch das ist ganz normal hier, die Dinghis bilden sozusagen eine mobile Gangway um an Land zu kommen. Lee, der Health-Officer, muß etwas warten, er nimmts gelassen und ist überhaupt sehr freundlich. Kurz nach ihm kommt auf demselben Weg eine junge Dame von der Bio-Security an Bord. Sie kontrolliert, dass wir keine ungewünschten Passagiere einschleppen und muß leider alles an frischem Obst und Gemüse einsammeln. Das wußten wir und haben unsere Vorräte so weit wie möglich aufgegessen. Es leuchtet uns völlig ein, dass solch kleine Inseln sich vor dem Einschleppen von Schädlingen schützen wollen. Auch sie erledigt ihren Job überaus freundlich und wir plaudern noch ein bisschen.
Von Customs lässt sich heute niemand mehr blicken und es ist mittlerweile zu spät, als dass wir im Büro noch jemanden antreffen. Dort gehen wir dann am Mittwochvormittag hin. Auch der Herr dort ist ausnehmend freundlich und erledigt neben „Customs“ auch gleich die „Immigration“. Anschließend laufen wir noch zum Aitutaki Island Council, das die Hafengebühren kassiert. Hier erfahren wir, dass wir dies erst bei der Abreise zahlen müssen.


