Ha’apai

Ha’apai

Dienstag, 29.09.226
Überfahrt nach Ha’apai

Der Wecker klingelt kurz nach Sonnenaufgang, wir nehmen uns noch die Zeit, an der Mooring liegend zu frühstücken. Bald schon sehen wir die ersten Yachten nach Süden auslaufend. Hm, dann sollten wir wohl auch starten. Um 7.30 lösen wir die Mooringleine, setzen das Großsegel und motoren zwischen den südlichen Inseln und Riffen Vava´us hindurch. Nach rund einer Stunde können wir auch die Genua setzen, den Motor stoppen und segeln flott mit halbem Wind gen Süden. Der Ostwind bläst wie vorhergesagt mit rund 20 Knoten, in Böen bis 24 kn. MACARENA läuft sehr gut und wir freuen uns über Geschwindigkeiten bis zu 8,5 Knoten. Auf dem AIS sehen wir natürlich die anderen Yachten, die mit uns nach Ha’apai laufen. Komisch, deren Geschwindigkeit wird mit nur 5 – 6 Knoten angezeigt. Dabei haben wir beide Segel im zweiten Reff. Die Strecke bis Ha’apai beträgt rund 68 Seemeilen, auf der Hälfte der Strecke haben wir den ersten Frühaufsteher überholt. Hinter uns kommt ein Katamaran auf und überholt uns. Der Abstand wird zunächst größer und dann immer kleiner, aber wir holen UMOYA nicht mehr ein bis Ha’apai.

Der Wind dreht auf dem letzten Viertel der Strecke auf Südost, so dass aus dem Halbwindkurs ein Am-Wind-Kurs wird. Das fühlt sich nun unangenehm ruppig an, Gischt kommt über, alles wird nass und salzig. Aber wir freuen uns natürlich, das wir so schnell sind. Gegen 18.00 Uhr können wir in Lee der Hauptinsel die Segel bergen und unter Maschine durch die Riffe zum Ankerplatz vor Pangai laufen. Dort begrüßt uns die Crew des Katamarans „Umoya“, der kurz vor uns angekommen ist, freundlich winkend. Nach der etwas rauen Überfahrt genießen wir einen ruhigen Abend vor Anker. Wir müssen noch ein bisschen feiern, heute ist unser 20. Hochzeitstag, den wir standesgemäß mit einer „Mini-Kreuzfahrt“ begangen haben.

30.09.2026
Einklarieren in Pangai, Ha’apai

Am nächsten Vormittag fahren wir erstmal bei unserem „Regatta-Partner“ der Überfahrt, dem Katamaran „Umoya“ vorbei, sagen „Hallo“ und lernen Courtney und Dave kennen. Anschließend fahren wir mit dem Dinghi zum Einklarieren. Der Einfachheit halber machen wir das Dinghi an dem kleinen Strand hinter dem Hafen fest. Dort sitzen ein paar Einheimische und einer der Männer hilft uns sofort mit der Leine, sehr nett. Wir unterhalten uns ein wenig und fühlen uns sofort sehr freundlich willkommen geheißen. Das Customs Büro ist nur 150 m entfernt, dort begrüßt uns eine sehr freundliche Dame. Ihre sechs Monate alte Tochter liegt auf einer Decke neben ihrem Schreibtisch und schläft friedlich. Alles sehr entspannt. Das Einklarieren ist unkompliziert und wir können mit ihr auch gleich das Prozedere für das internationale Ausklarieren besprechen. Wenn das Wetter sich so entwickelt wie vorhergesagt, wollen wir in den nächsten Tagen von hier aus Richtung Neuseeland aufbrechen.

Für´s erste verholen wir uns etwas weiter südlich auf einen Ankerplatz hinter Uoleva Island. Ha’apai ist ebenfalls ein Archipel und besteht aus einer ganzen Menge kleiner und klitzekleiner Inseln. Sechs langgezogene Koralleninseln bilden einen markanten Bogen und Schutz gen Osten. Hier leben die meisten der Einwohner und es gibt ein paar kleine Öko-Resorts. Unser Nachbar Umoya hat sich ebenfalls nach Uoleva verholt, die beiden warten wie wir auf ein passendes Wetterfenster für die Überfahrt nach Minerva und weiter nach NZ. Wir besuchen sie nochmal an Bord und plaudern angeregt über zurückliegende Touren und die Pläne für die Weiterfahrt.

Vor uns bietet der schön geschwungene große Strand einen verlockenden Anblick, gerne würden wir nochmal zu einem der Resorts auf einen Drink oder zum Essen fahren. Aber leider ziehen sich die Wolken immer weiter zu und es fängt wieder an zu regnen. Nee, bei Regen ist Strand blöd, das lassen wir. Das Wetter ist so, wie wir es aus den letzten Wochen in Vavau´u kennen, ziemlich windig, grau und regnerisch. Der nächste Tag ist schon Freitag und wenn wir für das Wochenende ausklarieren wollen, müssen wir das heute tun. Also zurück nach Pangai. Wir warten eine Lücke zwischen den Regenschauern ab, haben Glück und bleiben trocken. Aber dann schüttet es erstmal wieder.

Nach der Mittagspause von Customs machen wir uns dann mit dem Dinghi auf den Weg zurück an Land. Als erstes müssen wir zur Hafenbehörde und dort eine Gebühr für´s Ankern zahlen. Umgerechnet etwa 5 Euro. Das führt noch zu einer umfassenden Erkundung des Ortes. Wir legen mit dem Dinghi auf der Rückseite des Fähranlegers an und laufen an das Nordende Pangais, dort ist das Hafenbüro. Nachdem wir unseren Obolus entrichtet haben, laufen wir bis zum Südende des Ortes zu Customs. Jetzt haben wir fast alles hier gesehen. Die Dame bei Customs ist wieder ausgesprochen nett und da es wieder regnet, als wir fertig ausklariert haben, bietet sie uns an, uns mit ihrem Auto zum Hafen zurück zu fahren. Sehr freundlich! In den drei chinesischen Supermärkten rund um den Hafen setzen wir unsere letzten TOP noch in so nützliche Dinge wie Müsliriegel, Chips und Kekse um.

Mittlerweile sind wir in regem Austausch mit Dave und Courtney von Umoya, was den besten Zeitpunkt für die Abfahrt anbelangt. Jeden Tag ändern sich die Wetterprognosen, aus der Summe der Informationen schält sich schließlich heraus, das der Samstag wohl der beste Tag für die Abreise ist. Wir verstehen uns gut mit den beiden und planen, gemeinsam auf die Tour gehen. Für beide Boote passt es gut und wir verabreden uns, am frühen Samstag Nachmittag auszulaufen.

Bis dahin ist noch viel zu tun. Wir haben zwar schon einige Formulare und Biosecurity Berichte für NZ ausgefüllt, sind aber letzten Endes doch überrascht, wie umfangreich die restlichen Formulare noch sind und was die Neuseeländer alles wissen wollen. Insgesamt laden wir 28 Dateien sowie 49 Fotos und Videos für die Einreise nach NZ hoch, uff!
Dann noch einmal vorkochen, das Dinghi ordentlich in den Davids verzurren, alles seefest stauen und vor der Abfahrt noch mal in Ruhe warm duschen. Schließlich ist es soweit, wir holen den Anker auf und sagen Goodbye Tonga.

Samstag, 03.10.2026
Bye, bye Tonga

Umoya läuft direkt hinter uns aus und wir genießen noch zwei schöne Segelstunden in der Nachmittagssonne. Dann zieht es sich wieder zu, der Wind bläst gut mit 20 – 22 Knoten aus Ost. Noch liegen diverse Inseln und Riffe vor uns, zwischen denen sich unser Kurs hindurch schlängeln muß. Die engste Stelle erreichen wir erst kurz nach Sonnenuntergang. Es ist ein bisschen spooky, wir düsen im Stockdunklen unter Genua mit 7 Knoten Fahrt ziemlich dicht an den Riffen längs. Aber die östlichen Riffe brechen die Wellen, so dass MACARENA sehr ruhig liegt und sich ganz exakt steuern lässt. Auf einer der südlichen Inselchen gibt es sogar ein weißes Leitfeuer, das ist eine gute zusätzliche Orientierung.

Einen wahren Strom von Segelbooten zieht es von Tonga, Fitschi und Neukaledonien aus nach Neuseeland.

Und dann sind wir im freien Seeraum, die Welle wird höher, aber auch länger. MACARENA groovt sich ein und wir auch. Unser nächster Wegpunkt liegt vor „Hunga Tonga“, eine Vulkaninsel, die sich erst vor gar nicht langer Zeit aus dem Meer empor gehoben hat und dann bei einer erneuten Eruption im Jahr 2022 sozusagen „in die Luft geflogen“ ist. Durch die heftige Explosion gab es damals einen lokalen Tsunami, der auf den südlichen Tonga-Inseln viel zerstört hat und auch die Luftverschmutzung durch die Ascheteile war massiv. Heute sind von dem Vulkan nur noch ein paar Inselfragmente zu sehen, aber die vulkanische Aktivität ist zum Glück erstmal erloschen. Das ist eine machtvolle Demonstration der Naturgewalten, wir halten respektvoll Abstand.

Umoya ist die ganze Zeit in Sichtweite, es ist ein schneller Katamaran und hat uns zwischen den Inseln noch überholt. Nun haben sie wohl im „Nachtmodus“ die Segel reduziert und wir schieben uns wieder an ihnen vorbei. MACARENA läuft unter Genua bei 20 Knoten Raumschotswind gute 6,5 bis 7 Knoten, damit sind wir sehr zufrieden. Zusätzlich ist es ganz schön, in der dunklen Nacht die Positionslichter des anderen Bootes zu sehen.

Der doppelte Umoya

Dave und Courtney haben uns eine lustige Geschichte zu dem Namen ihres Bootes „Umoya“ erzählt. Es ist ein südafrikanischer Name, hat eine schöne Bedeutung mit Bezug auf die See und sie haben extra recherchiert, dass es diesen Bootsnamen noch nicht gab. Als sie dann mit dem Boot auf einer der karibischen Inseln eingelaufen sind, gab es beim Einklarieren eine große Verwirrung, weil am selben Tag und zur selben Uhrzeit ein zweiter Katamaran mit demselben Namen „Umoya“ angekommen ist. Was für ein unglaublicher Zufall! Seitdem begegnen sie ihrem Namensvetter immer wieder auf dieser Reise. Auch auf unserem Törn läuft der zweite Umoya Katamaran aus Nukualova aus, als wir daran vorbeifahren. Auf dem AIS sehen wir sowohl auf unserer Steuerbord- als auch auf unserer Backbordseite die Anzeige „Umoya“.

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