
Uchutupu Dummat und Chichimene Cays
Wir verbringen noch ein paar geruhsame Tage an diesem wunderschönen Ankerplatz, bevor es uns am Donnerstag, 20.02.2025 weiterzieht. Bei unserer Überfahrt zu den westlichsten Inseln der Chichimene Cays haben wir leider nicht genug Wind zum Segeln und nutzen die Chance unter Maschinenfahrt nicht nur unsere Batterien zu laden, sondern auch noch Wasser zu machen. In Vorbereitung auf die Überfahrt zum Panamakanal und sozusagen als „Sprungbrett“ nach Colon haben wir uns die beiden Inseln Uchutupu Dummat und Uchutupu Pipigua als unsere letzte Station im San Blas Archipel ausgesucht. Die Einfahrt zu den Ankerplätzen nördlich der größeren Insel sieht abenteuerlich aus. Ein schmaler Kanal führt von Westen her zwischen zwei Riffen durch, auf beiden Seiten brechen sich die Wellen. Unweit der kleineren, westlichen Insel liegt ein großes, gestrandetes Wrack auf dem Außenriff. Immer eine eindringliche Mahnung, dass hier nicht viel schief gehen darf.
Die Ankerbucht zwischen Außenriff und Insel sieht sehr schön aus und ist bereits relativ voll. Der Wind kommt aus nördlichen Richtungen über das Riff, der Ankerplatz zwischen Riff und Strand ist nördlich der Insel und daher in Luv. Nicht unbedingt die Wunsch-Situation. Wir finden noch einen Platz, der ausreichend Abstand zu den anderen Yachten verspricht. Die Wassertiefe ist mit 12 Metern erheblich tiefer als in den Seekarten angegeben (3-5 m). Wir stecken ordentlich Kette und fahren den Anker ein. Hm, es macht den Eindruck, als bietet der Anker überhaupt keinen Widerstand, kein ruckeln, kein haken, es wirkt als würden wir ihn einfach so durch den Sand ziehen. Nein, das ist kein guter Ankerplatz für uns. Wahrscheinlich ist der Boden so ein Korallen-Mehl, das in sich keinen Halt bietet.
Wir probieren es gar nicht erst ein zweites Mal, sondern fahren gleich auf die Rückseite der Insel und ankern dort in Lee hinter dem Strand. Hier liegen wir sicher, wenn auch vielleicht nicht ganz so spektakulär, wie vor der Insel. Dafür ist die nächste Strandbar nur 150 m entfernt und wir können mit unserem Dinghi dort völlig unproblematisch auf den Strand fahren. Hinter der Insel liegen wir sehr windgeschützt, es gibt wenig Welle und auch nur eine geringe Strömung.
Mehrmals sehen wir „portugiesische Galeeren“ vorbeitreiben. Diese Quallen kommen in tropischen Breiten vor, mit ihrem zwischen pink und blau changierenden, durchscheinenden Kamm sehen sie sehr faszinierend aus. Das fiese an den Tierchen ist jedoch, dass sie unter Wasser sehr lange Fäden mit starkem Nesselgift tragen. Ich erinnere mich noch sehr gut: bei der Atlantik-Überquerung mit der „ROALD AMUNDSEN“ haben wir sehr sandige Festmacher zum Spülen hinter uns her gezogen. Keine wirklich gute Idee. Beim Einholen der dicken Leinen haben die Crewmitglieder in abgerissene Fäden der „portugiesische Galeere“ gegriffen. Das war sehr schmerzhaft und es hat mehrere Tage gedauert, bis die Handflächen wieder verheilt waren. Google verrät uns, dass die Nesselfäden bis zu 50 Meter lang werden können.
Am nächsten Tag fahren wir an Land und laufen einmal um die Insel. Wir treffen ein paar Schweitzerinnen und auch noch eine Deutsche, die alle als „Backpacker“ per Kojencharter auf dem Weg von Panama nach Kolumbien sind. Das sind interessante Reisen, die sie machen, aber wir wundern uns ein bisschen über den regen Bootstourismus hier. Eigentlich hatten wir im Wesentlichen nur mit Seglern gerechnet, die wie wir auf eigenem Kiel unterwegs sind. Aber es scheint fast so, als wären wir in der Minderheit. Die Kuna Indianer sind sehr aktiv dabei, Touristen auf die Inseln und ihnen diese paradiesische Inselwelt näher zu bringen. Entweder mit Übernachtung auf größeren Yachten oder per offenem Boot und Übernachtung in bunten, kleinen „Cabanas“ am Strand.
Wir sind in rund 20 Minuten einmal um die Insel gelaufen und es gibt hier immerhin drei Strandbars / -Restaurants. Da fällt die Auswahl schon fast schwer. Wir entscheiden uns für eines der Restaurants auf der Luvseite der Insel, hier haben wir einen anderen Ausblick als von Bord aus. Schnell kommen wir mit anderen Seglern in´s Gespräch und der Wirt fragt uns, ob wir nicht am nächsten Dienstag mitfahren wollen zu den 100-Jahr Feiern der Kuna-Revolution. Hm, das klingt spannend und passt auch noch in unseren Zeitplan, das machen wir. Also bleiben wir einige Tage hier, ärgern uns noch mal über den Generator, der schon wieder nicht mehr läuft und genießen entspannte Stunden in dem zweiten Beach-Restaurant mit direktem Blick auf MACARENA. Als wir am Sonntag Abend hier auf unser Essen warten, legt eines der offenen Kuna-Boote am Strand an und wird von einigen Menschen umringt. Dort gibt es offensichtlich was. Ich geh mal gucken und siehe da, dies ist der schwimmende Supermarkt. Das Boot bringt Obst und Gemüse zu dem kleinen Restaurant und verkauft auch an Segler und Touristen. Das ist ja toll, unsere Vorräte sind gerade sehr zur Neige gegangen. Ich bekomme Tomaten, Paprika, Avocados und verschiedenes Obst in wirklich sehr guter Qualität. Nur festhalten müssen wir das Boot während des Einkaufs, damit es nicht abtreibt.