Tsunami-Warnung
Dienstag, 29.07.2025,
Gerade haben wir uns gemütlich eingerichtet, da erhalten wir die Info, dass ein schweres Erdbeben vor der Ostküste Kamtschatkas (Rußland) eine Tsunami-Welle auf den Weg über den Pazifischen Ozean geschickt hat. Kamtschatka ist zwar rund 6.000 Seemeilen entfernt, aber dazwischen gibt es kein Land, das die Welle bremst. Es gibt die ersten Warnungen für die Marquesas.
Es ist schon dunkel und wir beschließen, um 22.30 Uhr den Anker zu lichten und uns auf den Weg zu machen. Bis dahin bekommen wir noch eine Menge Informationen und Warnungen zu der Tsunami-Welle. Die regionalen WhattsApp Gruppen sind sehr hilfreich und wir leiten unsererseits die Infos an bekannte Segler weiter, von denen wir nicht wissen, ob sie die Warnungen erhalten haben.
Vom JRCC (Joined Rescue Coordination Center), der Zentrale in Tahiti, die die Warnungen koordiniert, bekommen wir nicht nur eine Mail sondern zusätzlich sogar einen persönlichen Anruf. Wir sind unglaublich froh über die gut funktionierenden Informationsketten und bedanken uns herzlichst. Die amtlichen Stellen bemühen sich sehr, alle Segler und Inselbewohner zu erreichen und zu warnen. Wahrscheinlich sind auf Tahiti gerade eine Menge Leute wild am Telefonieren, ein tolles Engagement. Es ist wirklich beeindruckend und beruhigend zugleich zu erleben, dass international die Behörden sehr konsequent die Lehren aus den Folgen des Tsunamis im Indischen Ozean 2004 gezogen haben. Die Tatsache, dass nach dieser Katastrophe weltweit Messbojen auf den Ozeanen installiert wurden, führt heute dazu, dass die Ausbreitung und Intensität der Wellen deutlich genauer und vor allem sehr viel früher vorhergesagt werden kann, was wiederum den Schutz der Bevölkerung hochgradig verbessert.
Auch in Europa werden die Nachrichten zügig verbreitet. Wir informieren noch schnell unser Familien und einige Freunde über unser Vorhaben und betonen explizit, dass wir NICHT in Not sind!
Für uns gibt es jedoch keinen Zweifel, wir müssen raus aus der Ankerbucht und ins tiefe Wasser. Im Dunkeln ist dann alles nicht so einfach wie bei Tag. Wir haben zwar schon eine Menge vorbereitet zum Auslaufen und sind ja viele Nächte durchgesegelt, aber ein Anker-Auf-Manöver in so einer Bucht und die Passage der relativ engen Durchfahrt zwischen den felsigen Klippen sind doch eine Herausforderung. Dazu kommt, dass die Nacht wirklich pechschwarz ist, kein Mond, der uns hilft, keinerlei Licht in der Bucht und wir sind in einem tiefen felsigen Talkessel. Unsere Kopflampen helfen uns, zumindest den Anker und Dinge an Bord zu erkennen. Aber außerhalb des Bootes endet die Sicht maximal 5 m vor dem Bug. Da hilft auch keine Lampe, es ist soviel Feuchtigkeit in der Luft, dass man nur einen weißen Schleier erkennt. Und die mächtige Felswand ist in dieser Nacht genauso schwarz wie das Meer. Es ist knifflig und unheimlich, aber schließlich haben wir es geschafft und fahren hinaus auf den Pazifik.
Unser Plan ist einfach die Nacht über zwischen Nuku Hiva und Ua Pou, der nächsten südlich gelegenen Insel hin und her zu segeln. So wie viele andere Segler auch. So viele Lichter haben wir ja schon ewig nicht mehr auf See gesehen. Auch aus der großen Taoha´e Bay haben sich viele Segler auf den Weg gemacht.
Wir sehen, dass alle Boote, die es ermöglichen können so schnell wie möglich auf See gehen und in Bereichen tiefer als 1000 m abwarten.

Mitten drin auch noch das Kreuzfahrt-Versorgerschiff ARANUI 5, das heute gerade in Taoha´e war und im Laufe der Wartezeit ihr nächstes Zidie Insel Ua Pou umkreist
Alle wollen raus auf die offene See. Die Nacht ist nicht gerade gemütlich zum Segeln, aber das war ja so auch nicht geplant. Wir kommen morgens um 4.00 Uhr vor Ua Pou an, halsen und fahren wieder Richtung Nuku Hiva. Unterwegs müssen wir sehr aufmerksam Wache gehen, da viele der anderen Segler auf demselben Track unterwegs sind oder diesen kreuzen. Wir fahren zweimal zwischen den beiden Inseln hin und her, bis um kurz nach 12.00 mittags die Freigabe der Verkehrszentrale kommt, dass alle Boote und Schiffe wieder in die Häfen und Buchten der Marquesas einlaufen dürfen.
Wir erfahren, dass die erste Tsunami-Welle gegen 3.00 Uhr nachts die Marquesas-Inseln erreicht hat und etwa 2 m hoch war. Zum Glück hat es keine nennenswerten Schäden gegeben.
Für die anderen Inselgruppen in Französisch-Polynesien gab es keine Tsunami-Warnung, da diese alle von großen Korallenriffen umgeben sind, die die Kraft der Welle brechen. Nur auf den Marquesas gibt es diesen direkten Übergang vom tiefen Wasser zu den flachen Stränden und Buchten, an denen sich die Welle gefährlich aufbauen kann.
Als alles vorüber ist, laufen wir wieder in die Hakaui-Bucht ein, da wir uns hier gerne auch noch mal bei Tag umschauen möchten. Ein bisschen macht sich ein „täglich grüßt das Murmeltier“ Gefühl breit. Alles nochmal auf Anfang.
Aber die Hakaui-Bucht und wir werden keine Freunde. Auf NoForeignLand gab es bereits viele Berichte über nervige Mücken und Fliegen. Am Abend habe ich noch gedacht, es ist ja gar nicht so schlimm… aber als Dietrich am nächsten Morgen raus will, muss er erstmal einen schwarzen Teppich von winzigen Fliegen aus dem Cockpit saugen, bevor er irgendwohin treten kann. Alle waagerechten Flächen sind schwarz von unzähligen toten Mini-Fliegen. Die engagierteren unter ihnen schaffen es auch durch unsere Mückengitter. Das sind leider auch nicht wenige… ! Wir entscheiden uns, unter Deck zu frühstücken. Dann hält uns nichts mehr in dieser Bucht, wir hieven den Anker und laufen wieder aus. Hm, draußen sind wir zwar Fliegen-frei, aber es gibt nicht genug Wind zum Segeln. Wir probieren es, warten ein bisschen und nutzen die Flaute für eine kleine Badepause im zutiefst blauen Wasser. Erst spät nachmittags kommt Wind auf, aber da ist es schon zu spät, um nach Ua Pou zu segeln und bei Hellem anzukommen. Also fahren wir zurück in die Taoha´e Bay. Lieber hier schaukeln, als von Fliegen übersät.


