
Studland Bay – Portland
Samstag, 09.07.2022
Studland Bay – Portland
Anker auf in feinster Morgensonne und dann die touristische Runde um die Landspitze, wo wir die Felsformationen „Old Harry“ und „Old Harry’s wife“ im hellen Morgenlicht bewundern:
Auf Südkurs können wir die Segel setzen und frühstücken. Am Ende des Frühstücks sind wir am nächsten Kap angekommen und nehmen Kurs gen Westen, können gut auf die Bucht von Portland zuhalten. Die pittoreske Kreideküste zieht gar nicht mal so langsam an uns vorbei, mehrere Leuchttürme und herrschaftliche Anwesen. Wir stellen uns vor, unser Freund Stefan, der Geologe, könnte diese Küste sehen. Er wäre sicher begeistert und könnte uns ganz viele Geschichten zu den verschiedenen Gesteinen und deren Entstehung erzählen.
Mächtig baut sich vor uns die äußere Befestigung der Bucht von Portland auf. Dahinter eine recht hohe, felsige Halbinsel, die nur durch einen schmalen Strandstreifen mit dem Festland verbunden ist. Man sieht den militärischen Ursprung der gewaltigen Hafenanlage. Wir fahren wie empfohlen durch die nördliche Einfahrt. Und sind mehr als verblüfft. Die riesige Hafenbucht wird intensivst von Wassersportlern aller Art genutzt. Mittendrin grad eine Jollenregatta mit bestimmt 40 – 50 Booten, dahinten üben kleine Jollen, hier ein Mooringfeld, dort SUPs und das ganze landseitig eingefasst von einem langen Sandstrand. Zum Festland hin ziehen sich die Häuser von Weymouth den Hügel hinauf, davor ein altes Castle mit großer Parkanlage. Eine perfekte Kulisse. Auf der anderen Seite liegt ein Kreuzfahrer im Hafen, der von hier aus im Gesamtblick eher winzig wirkt.
Wir motoren fast eine halbe Stunde durch die Bucht, bis wir die Portland Marina erreichen. Eine sehr freundliche junge Dame gibt uns per Funk einen Liegeplatz bekannt und erklärt uns auch, wie wir ihn finden. Gut so, auch die Marina ist enorm groß. Unglaublich großzügig angelegt, breite Stege, so viel Platz, wie ich ihn in noch keinem anderen Yachthafen gesehen habe. Und dann dämmert es uns. Weymouth / Portland war Austragungsort der Segler während der Olympiade 2012 in London. Und damals haben sie die Anlage wirklich großzügig geplant. Sozusagen ein Schilksee auf britisch, nur 40 Jahre jünger, moderner und größer. Im Vorhafen findet ein Drachenboot -(Ruder)-Rennen statt. So viel Platz muss man erstmal haben!
Wir erledigen die Formalitäten, gehen einkaufen und holen uns beim Schiffsausrüster gegenüber aktuelle (Papier-)Seekarten für die Kanalinseln. Leider können wir keine Gastlandflagge für Alderney kaufen, die Insel soll unser nächster Stopp werden.
Wir sind sehr beeindruckt von der gesamten Hafenanlage und denken uns, das müssen wir uns von oben anschauen. Oben auf dem Berg liegt eine große Festungsanlage und der Blick von dort ist sicher fantastisch. Kurzer Hand nehmen wir den Bus und fahren Richtung Portland Bill. Oben auf der Höhe stehen die olympischen Ringe, von hier aus hat man einen tollen Blick über das Meer, die riesige Bucht mit dem Hafen und die Kreideküste, die wie heute entlang gesegelt sind. WOW!!
Naja, wir würden auch gerne noch den freien Blick gen Westen haben. Also folgen wir der Straße Richtung Festung. Hier oben sind viele Wanderwege, einige Parkplätze und Wohnmobil-Stellplätze, alles mit fantastischem Weitblick. Musik dröhnt und wird immer lauter. Was wir zuerst für eine private, etwas sehr aufgedrehte Musikbox gehalten haben, entpuppt sich als Open-Air Musikfestival. Tolle Idee, hier oben kann man es richtig krachen lassen, ohne dass es Anwohner stört. Deshalb ist es hier auch so voll heute. Leider ist dadurch der Durchgang zur Westküste des Felsens gesperrt und man gibt uns den guten Rat, den Wanderweg hinunter zu nehmen, der sich halb rund um die Festung zieht. Nein, die Festung an sich könne man nicht besichtigen, das sei ein Gefängnis. Und richtig, wir hatten die trutzige Anlage bereits bestaunt, sie jedoch für ein Relikt der Vergangenheit gehalten. Ihre hohe Sicherheit wird aber wohl auch aktuell in der Jetztzeit genutzt.
Wir folgen dem steil bergab führenden Wanderweg durch eine idyllische, grüne Landschaft, durchsetzt mit vielen blühenden Sträuchern. Besonders der lila Sommerflieder steht in voller Blüte. Wie es in solchen Fällten wohl immer so geht, laufen wir bis zur nächsten Ecke und dann noch zur nächsten Ecke und so weiter. Wir erleben eine wirklich schöne Natur und tolle Ausblicke. Jedoch hatten wir uns auf keine längere Wanderung eingestellt, nicht die richtigen Schuhe an und -man mag es in England kaum für möglich halten- auch nicht genug Sonnenschutz dabei. Zudem geht es an vielen Stellen unangenehm steil bergab. Kurzum, wir kommen an die Belastungsgrenze unserer Seglerbeine und sind heilfroh und erschöpft, als wir erst den Strand und dann unsere Marina wieder erreichen.
Aber wir sind überzeugt, die Gegend ist so toll, dass wir noch einen Tag länger bleiben sollten.