
Shelter Bay Marina, Colon
März 2025
Die Marina ist tatsächlich super geschützt, wir haben einen Liegeplatz am T-Ende eines langen Steges. Auf der Steuerbordseite schauen wir direkt in die Mangroven. MACARENA liegt so ruhig, es gibt keinerlei Schwell; wir können uns kaum erinnern, jemals so ruhig gelegen zu haben. Die Marina ist recht modern und verfügt über einen kleinen Mini-Markt, Yachtausrüster, Wäscherei, Restaurant und sogar einen Pool. Ansonsten gibt es allerdings weit und breit keine weitere Zivilisation. Direkt hinter der Marina beginnt ein großes Naturschutzgebiet und die üppige Vegetation sieht sehr nach undurchdringlichem Dschungel aus. Wir beobachten hier Nasenbären und hören mehrmals Brüllaffen durch die Bäume toben.
Colon liegt auf der anderen Seite der Bucht, dorthin gibt es zweimal täglich einen Shuttle-Bus der Marina. Man kauft die Tickets im Marina Büro, trägt sich jeweils am Tag vorher für die gewünschte Tour ein und fährt mit dem Bus 20 – 30 Minuten bis Colon. Die Tour geht über die 2019 fertiggestellte „Puente Atlántico“, von der aus man einen tollen Blick auf die nahen Schleusenkammern hat. In Colon hält der Bus dann an verschiedenen Einkaufs-Gelegenheiten, wie Baumarkt, Yachtausrüster und Supermarkt. Nach rund 2 bis 2,5 Stunden geht es wieder zurück zur Marina. Das ist ein guter Service, trotzdem vergeht rund ein halber Tag für einen einfachen Einkauf.
Als wir in der Marina ankommen, ist erstmal Wochenende, danach Karneval. Wir fahren zwar mit dem Bus nach Colon, müssen dort jedoch feststellen, dass der größere Yachtausrüster leider geschlossen hat. Die nächsten Tage machen wir MACARENA klar für eine Liegezeit in der Marina und fliegen für eine Woche zu unseren Freunden nach Texas. Der Flug geht ab Panama City, dort bestaunen wir die wirklich enorme Anzahl an Wolkenkratzern. Nachdem wir Mitte März wieder zurück sind, brauchen wir ein paar Tage, bis MACARENA wieder für das Leben an Bord ausgestattet ist. Tja und dann sind wir fast schon im Countdown für den Kanal. Wir besorgen noch einige Ausrüstungsgegenstände für die lange Fahrt im Pazifik, tauschen uns mit vielen anderen Seglern über deren Pläne aus. Zwischendurch haben wir immer mal wieder Kontakt mit dem Agenten und schließlich auch die Bestätigung für die Passage am 28.03.2025. Jeden Tag machen sich einige Yachten von hier aus auf, um den Kanal zu durchfahren. Jeden Tag werden zwei Gruppen von Yachten geschleust. Ein Trupp startet bereits morgens um 3.00 Uhr und kommt am selben Abend noch auf der Pazifik Seite an. Die zweite Tour startet nachmittags, übernachtet direkt hinter den Gatunschleusen an einer großen Boje und erreicht den Pazifik dann am Nachmittag des Folgetags.
Unsere to-do-Liste wird mit der Zeit etwas kleiner. Im vorderen WC baut Dietrich eine neue Toilettenpumpe ein, die wir aus USA mitgebracht haben. Da wir immer noch Schwierigkeiten mit unserem Generator und unterm Strich nicht ausreichend Strom zur Verfügung haben, besorgen wir uns ein zusätzliches, faltbares Solar-Panel. So können wir zumindest vor Anker oder bei ruhigen Bedingungen unsere Solar-Kapazität erweitern. Außerdem hat die Starterbatterie unter den vielen Startversuchen für den Generator stark gelitten, so dass wir es für geraten halten, die Starterbatterie noch hier zu ersetzen. Gerade, als wir dabei sind, die Batterien umzubauen, läuft eine weitere deutsche Yacht in den Hafen ein und erhält einen Liegeplatz unweit von uns am selben Steg. Im Vorbeifahren kann ich gerade noch den Heimathafen „Kiel“ am Heck erkennen. Kurze Zeit später steht ein junges Paar vor MACARENA und sagt freundlich Hallo. Der junge Mann, Mads, erzählt, dass er unser Boot ganz gut kennt, weil er damals bei der Kieler Werft, wo wir immer im Winterlager und für Wartungsarbeiten waren, eine Ausbildung zum Bootsbauer gemacht hat. Dabei hat er diverse Arbeiten bei uns an Bord durchgeführt. Das ist ja wirklich ein toller Zufall, dass wir nun uns hier wiedertreffen!
Er hat seine Ausbildung abgeschlossen und ist seit 8 Monaten mit seiner Freundin auf einer 10 Meter Yacht unterwegs. Ihr Ziel ist auch Neuseeland. Die beiden sind super nett und wir können ihnen mit etwas Equipment für die Segelreparatur aushelfen. Und dann fragen wir Mats, ob er uns ggfs. mit dem Generator helfen kann. Klar, wann? Nun, wir bauen erst noch eine zusätzliche elektrische Förderpumpe in die Dieselleitung ein, entlüften das System und versuchen noch mal zu starten. Der Generator springt an, läuft aber nur rund 30 Sekunden. Danach fragen wir Mats. Es ist uns allen nicht wirklich klar, wo das Problem liegt, es gibt so viele Möglichkeiten… Mit großer Ruhe und Geduld entlüftete Mats das System nochmals. Dabei stellt sich heraus, dass es noch eine weitere Option zum Entlüften gibt, die wir nicht kannten. Aha! Wir starten, der Generator springt an und läuft gefühlt ein bisschen länger als zuvor. Okay, es scheint, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Mats wiederholt das Procedere mehrmals, der Generator hält von Mal zu Mal länger durch und schließlich schnurrt er ganz gleichmäßig vor sich hin und lädt auch die Batterien. WOW! Wir sind sehr happy! Was für ein glücklicher Zufall, das wir ihn hier getroffen haben. Zum Dank laden wir die beiden den Abend in´s Restaurant zum Essen ein. Ehrlich gesagt hatten wir schon ein bisschen Sorge, wie wir die Angelegenheit mit dem Generator in den Griff bekommen sollten. Es hätte zwar auch einen Motoren-Mechaniker in der Marina gegeben, aber die Berichte anderer Segler über seine Arbeiten waren sehr gemischt…