
Barbuda
Freitag + Samstag 29. + 30.03.2024
„Wow! We´re going to Barbuda…“
Am Karfreitag, 29.03.2024 ist es dann soweit, wir hieven den Anker und verlassen die Lagune mit dem 10.30 Uhr Brückenzug. 5 Wochen waren wir jetzt hier, das war ganz schön lang. Wir sind sehr zufrieden, dass wir in den letzten Wochen so viel erledigt und an MACARENA verbessert haben. Aber jetzt wird es auch Zeit, weiter zu segeln. Der Wind kommt aus westlichen bis nördlichen Richtungen, das ist eine der seltenen Gelegenheiten, entspannt nach Süd-Ost zu segeln. Für Freitag haben wir uns erstmal nur die Südküste St. Barth´s als Zwischenstopp vorgenommen. Für diesen Kurs ist der Wind leider sehr achterlich und eher schwach, der Törn ist mehr ein treiben und schaukeln als wirkliches segeln. Aber wir sind froh, endlich wieder auf dem Meer unterwegs zu sein. Die heutige Distanz beträgt nur rund 20 Seemeilen und wir können auch die langsame Fortbewegung genießen. Am späten Nachmittag fällt unser Anker in der Gouverneur Bay.
Hm, auch schön hier! Super klares Wasser, sandiger Meeresgrund, an Land ein weißer Strand und dahinter eine rötliche Steilküste. Voller Freude springen wir in´s klare Wasser, schwimmen eine Runde und befreien MACARENA dann noch von den ganzen Seepocken, die sich in der Lagune von Sint Maarten an unseren Rumpf geheftet haben.
Samstag müssen wir früh los. Der Wecker beendet die Nacht um 5.30 Uhr, am Himmel zeigt sich eine erste Ahnung von Sonnenaufgang. Nachdem wir den Anker gelichtet haben, geht unser Kurs gen Osten, direkt Richtung aufgehende Sonne. Wir sind sehr fasziniert von dem tollen Farbspiel über dem Wasser und den felsigen Inseln, die unseren Kurs die erste Strecke noch säumen. Sobald wir freies Wasser erreicht haben, setzen wir die Segel.
Oh, oh, ob der Wind wohl reicht? Bis Barbuda sind es rund 60 Seemeilen und nach allem, was wir bislang über die Insel gelesen haben, ist es nicht so gut, dort im Dunkeln anzukommen. Barbuda ist aus Riffen entstanden und von jeder Menge Korallenriffen umgeben. Aber nachdem der Wind kurz nach Sonnenaufgang noch etwas schwach war, zeigt er sich den Tag über recht beständig und wir kommen sehr gut voran. Das ist eigentlich noch stark untertrieben: wir haben einen tollen Segeltag vom Allerfeinsten!! Nördlicher Wind um 10 – 15 Knoten, dazu so gut wie keine relevante Welle. Wirklich traumhaftes Segeln unter allen 3 Segeln, wir genießen die Tour sehr. Unsere Geschwindigkeit liegt zwischen 6 und 7 Knoten, für die 60 Meilen brauchen wir 9,5 Std. So kommen wir gegen 15.30 Uhr in der Low Bay vor der großen Lagune Barbudas an. Das ist unsere erste Einfahrt durch Riffe, und wir freuen uns über die sehr günstigen Bedingungen. Die Sonne steht noch recht hoch und hinter uns, so dass wir die Untiefen sehr gut erkennen können. Vor dem kilometerlangen weißen Strand ankern 2 Yachten, da ist noch ausreichend Platz für MACARENA. Der Strand hat ursprünglich die Lagune abgeriegelt, bis 2017 der Hurricane „Irma“ über die Insel gefegt ist. Der Sturm hat auch hier mächtige Schäden hinterlassen und so ziemlich jegliche menschliche Zivilisation auf der Insel zerstört. Ebenso hat der den westlichen Strandriegel der Lagune durchbrochen. Das ist jedoch heute auch ein Vorteil: man kann mit dem Dinghi durch das Riff in die Lagune zu dem Ort fahren. Viele Häuser wurden seitdem neu gebaut, heute hat die Insel wieder rund 2.000 Einwohner und ein paar seehr luxuriöse Resorts.
Ostern, Sonntag 31.03.2024
Barbuda
Heute heißt es erstmal einklarieren. Ob bei Customs & Immigration wohl jemand an Ostern arbeitet? Wir haben unser „Sailclear“-Formular online ausgefüllt und uns wie empfohlen noch per WhatsApp bei dem angegebenen Kontakt gemeldet. Leider jedoch keine Antwort erhalten. Na ja, wir machen erstmal das Dinghi klar und suchen dann den Weg durch die Lagune. Oops, das ist gar nicht so einfach. Gestern hatten wir eine Boje gesehen, die die enge Durchfahrt durch das Riff markiert. Heute fahren wir gegen die Sonne und sehen erstmal nicht viel. Außer den mächtigen Brechern, die auf das Riff donnern. Schwer zu sagen, wo man durchfahren kann. Im Dinghi stehend haben wir etwas bessere Sicht und finden schließlich die Boje und die Passage. Und dann ist es noch ganz schön weit durch die Lagune. Auf der großen Wasserfläche bilden sich schon nennenswerte Wellen, gegen die wir anfahren. Da bleiben wir auch in unserem neuen Dinghi nicht ganz trocken. Wie wäre das wohl in dem alten, kleinen Boot gewesen…? Wir machen das Dinghi am Fischerdock fest und werden freundlich begrüßt.
10 Minuten Fußmarsch auf sehr leeren Straßen durch fast den ganzen Ort führen uns zu Customs & Immigration. Leider ist jedoch nur die Immigration anwesend. Eine sehr nette Dame, die uns erklärt, wir hätten vorher noch eine mail mit der Bitte um Erlaubnis zum Einlaufen der Barbuda-Gewässer senden müssen. Hm, das haben wir nicht gewußt. Leider konnte sie uns auch nicht sagen, an welche Mail-Adresse. Das wäre ja die Angelegenheit von Customs, am Schreibtisch gegenüber, der heute nicht besetzt ist. Wir sollen erstmal an Bord bleiben, die mail schreiben und morgen früh wiederkommen. Na gut, wir laufen zurück und kommen an mindestens 3 Kirchen vorbei, aus denen gerade die Einheimischen vom Oster-Gottesdienst strömen.
Die leeren Straßen füllen sich mit bunt und festlich gekleideten Menschen, die uns auch alle sehr freundlich begrüßen und mit denen wir schnell in´s Gespräch kommen. Dann suchen wir auf der Rückfahrt mit dem Dinghi wieder nach der Boje und der Durchfahrt durch´s Riff, echt knifflig!
An Bord suchen wir noch mal intensiv in allen Quellen nach der Mail-Adresse und senden unsere Bitte um Erlaubnis zum Einlaufen. Wie gut, dass wir Starlink haben, wenn wir nicht online gehen könnten, wären wir aufgeschmissen.
Tja und am nächsten Morgen machen wir uns erneut auf, um einzuklarieren. Oha, über Nacht hat sowohl der Schwell als auch der Wind zugenommen. Schon der Einstieg in´s Dinghi wird sportlich. Die Dünung geht etwa 1,50 m hoch, vom Dinghi aus können wir nur was sehen, wenn wir gerade oben sind. Nach einigem Suchen finden wir die Boje, die die Riffpassage markiert und sehen die mächtigen Brecher auf beiden Seiten. Die Dünung kommt für uns von achtern, wenn sie uns anhebt, werden wir auf dem Stück bergab ganz gut beschleunigt. Mit ordentlich Speed düsen wir durch die Passage. Trocken bleibt da nix. Die Windsee auf der Lagune ist auch bereits angewachsen und steht uns entgegen. Die nächsten paar hundert Meter sind sehr herausfordernd. Wir hopsen auf dem Dinghi so sehr in die Höhe, dass ich mich mit beiden Händen festklammer und auch Dietrich nimmt neben der Pinne noch eine Leine, um sich festzuhalten. Die Strecke beträgt rund 2,5 km, als wir an der Fischerpier in Codrington ankommen, sind wir einigermaßen abgekämpft. Bei solchen Strecken ziehe ich aus Erfahrung nur den Bikini an und lasse meine „Landgarderobe“ im wasserdichten Sack.
Wir laufen dann die bekannte Strecke wieder zu Customs & Immigration, dort treffen wir die nette Dame von gestern. Sie hat freundlicher Weise auch die fehlende Mail-Adresse herausgesucht, wir haben unsere Mail natürlich an die falsche Adresse gesandt. Die Adresse, die sie uns gibt, sieht sehr privat aus. Man könnte sich fragen, was es für einen Sinn macht, wenn man erstmal an Land kommen muss, um die Mail-Adresse zu erfragen, an die man (möglichst 48 Stunden vor Einreise) die Bitte um Einreise-Erlaubnis schicken soll… Aber es ist wohl nur so eine Regel, die pro forma eingehalten werden muss. Wir leiten unsere Mail an die richtige Adresse weiter, sobald sie dort eingegangen ist, kann unsere Clearance bearbeitet werden. Und alles sehr entspannt und freundlich. Schließlich kommt auch der Kollege von Customs und wir bekommen alle Papiere und Stempel für unseren Aufenthalt.
Auf dem Rückweg schlendern wir ein bisschen durch die Straßen, die wir noch nicht kennen. Begegnen einigen Eseln (so süüüß!), einer Herde Ziegen und unzähligen Hühnern.
Alle laufen frei herum, weit können sie ja nicht. Es ist eine eigenartige Stimmung, an vielen Häusern sieht man noch deutliche Schäden durch den Hurricane:
Vieles ist bereits wieder schön hergerichtet, sicherlich auch mit der erforderlichen internationalen Unterstützung:
Die Straßen sind für karibische Verhältnisse ziemlich gut, es gibt auch nicht viel Autoverkehr. Bis auf den „Highway“, die Straße, die am Ortsrand verläuft und einmal längs über die Insel führt. Der „Highway“ ist die einzige unbefestigte Straße, die wir sehen. Dafür entdecken wir mehrere Supermärkte, an dem einen wird gerade kräftig an der weiteren Renovierung gearbeitet. Der Laden sieht schon ziemlich gut aus, verfügt über eine Klimaanlage und modernste Registrierkassen. Natürlich können wir mit Karte zahlen. Wir bewundern die Menschen, die mit viel Kraft und Enthusiasmus den Wiederaufbau der Insel vorantreiben.
Da an unserem aktuellen Liegeplatz ziemlich unangenehmer Schwell steht, verholen wir an die Südküste. Eine gute Stunde können wir sehr fein unter Genua segeln, bis der Wind wieder genau von vorne kommt und wir die Maschine bemühen müssen. Wir ankern in der Coco-Bay mit gehörigem Abstand zu den vielen Korallen-„Bommies“. Kann es sein, dass der Strand hier noch toller aussieht? Leider ist das Wasser auch hier durch Wind und Wellen sehr aufgewühlt und trübe. Das wird wohl eher nix mit unseren geplanten Schnorcheltouren…