
100 Jahre Unabhängigkeit der Kuna
Am Dienstag Morgen werden wir dann wie verabredet um 7.00 Uhr an MACARENA abgeholt. Mit dem offenen Kuna-Boot geht es so flott durch und über die Wellen, so dass wir vom Spritzwasser ganz ordentlich nass werden. Ich bin froh, dass ich meine leichte Regenjacke dabei habe und hänge sie mir so um, dass sich auch Dietrich ein bisschen dahinter verschanzen kann.
Nach 20 – 30 min flotter Fahrt an vielen kleinen Inseln vorbei, kommen wir an unserem Ziel, Carti Subdup, an. Dies ist eine von vier Inseln relativ dicht vor der Festland-Küste und dicht bewohnt von den Kuna Indianern. Von den insgesamt rund 365 Inseln sind nur 49 bewohnt, im Wesentlichen die Inseln, die nahe der Küste liegen. Die Inseln sind alle sehr dicht mit einfachen Häusern und Hütten bebaut. Auf dieser Inseln wohnen rund 1.300 Menschen auf einer Größe von rund 4 Fußballplätzen. Heute sind die Gassen bunt geschmückt und alle Einwohner festlich gekleidet. Gefeiert wird das 100-jährige Jubiläum des Sieges der Kuna-Revolution über die Unterdrückung durch den panamesischen Staat. Seit dem 25.02.1925 leben die Kuna unabhängig in ihrem eigenen Gebiet, der Region „Guna Yala“, an der karibischen Küste und auf den Inseln. Mehr zur Historie hier.
Auf der Insel werden wir von unserem lokalem Führer begrüßt und in Empfang genommen. Er erklärt uns die wichtigsten Fakten rund um das Fest und führt uns jeweils dahin, wo die nächste Veranstaltung stattfindet. Es gibt einen Umzug durch die Gassen und rund um die Insel und ein erstes Treffen im Versammlungshaus.
Eine „Laienspielgruppe“ stellt die Geschehnisse der Revolution auf dem Schulhof und anschließend auch mit Booten auf dem Wasser nach. Darauf folgt das juristische Tribunal vor den Clan-Chefs, ein freies Mittagessen für alle. Anschließend gibt es ein fröhliches, rituelles Trinkgelage mit „fermentet Sugar-Cane“ im zweiten Versammlungshaus.
Auch auf diesen abgelegenen Inseln sind Handys allgegenwärtig und wichtiger Bestandteil des Lebens. Der Einzug ins Gemeinschaftshaus wird von vielen
Das Gebräu wird nach festgelegtem Ritus verteilt und aus (recht großen) Kalebassen-Schalen getrunken. Im Laufe des Tages haben wir einen Kuna kennengelernt, der seit 8 Jahren in München lebt und mit leicht bayrischem Akzent sehr gut deutsch spricht. Er erklärt uns noch einiges über die Informationen unseres Guides hinaus und bietet an, das Kalebassen-Getränk mit mir zu teilen. Sehr gut, alleine hätte ich den Drink nie geschafft. Es schmeckt nach einer Mischung aus Cachaca und Kaffeelikör, mit einem Alkoholgehalt etwa auf Wein-Niveau. Die Farbe ist indifferent und etwas gewöhnungsbedürftig, aber in dem Versammlungshaus ist es ohnehin ziemlich dunkel.
Die Kuna-Frauen sind sehr festlich geschmückt: Zum einen haben sie die von ihnen selbst gefertigten Molas in ihre Festkleidung eingearbeitet. Diese kunstvolle Näh- und Stickarbeiten werden auch in sehr unterschiedlichen Qualitäten den Touristen zum Verkauf angeboten.
Die Beine sind mit kunstvollen Perlenschnüren umwickelt, die, sobald sie gewickelt sind, ein Muster ergeben. Alles wirkt sehr stimmig und zur Tradition gehörend.
Insgesamt begegnen die Kuna uns außerordentlich freundlich und sind sehr an einem Austausch mit uns interessiert. Ein toller Tag, voller beeindruckender Erlebnisse fahren wir mit dem Kuna-Boot wieder zurück zu MACARENA.
Als wir dann abends nach dem Essen noch gemütlich im Cockpit sitzen, plätschert es plötzlich mehrmals und rhythmisch neben uns. Der erste Gedanke ist: Fische, aber das Geräusch passt nicht. Der zweite Gedanke: ein Kuna-Boot kommt. Ich stehe auf und gucke raus und bin mehr als überrascht, direkt vor mir stattdessen das große Heck einer treibenden Yacht zu sehen. Oha, das ist dicht! Die Yacht driftet mit nur noch rund 2 m Abstand schräg auf uns zu. Auf meinen Ruf „Hello, you are drifting!“ höre ich die überraschte Antwort „Who, me??“ Immerhin, es ist jemand an Bord, er reagiert auch sehr schnell, startet sofort den Motor und fährt von uns weg. Uff, noch mal gut gegangen! Das war unser Nachbar, der seit vier Tagen schräg vor uns ankert. Die ganze Zeit über hatte der Anker gehalten und nun plötzlich nicht mehr.